Architektur Hängung

Architektur und Säkularismus (I) : Die Erfindung der republikanischen Schule

Saal 17

Juste LischProjekt für eine pädagogischen Lehranstalt (Ecole normale) im Château Saint-Etienne, Aurillac© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Die Schularchitektur entsteht mit dem in der Verfassung von 1891 verankerten Grundsatz des öffentlichen Charakters der Schulbildung. Bis zur III. Republik vereinen diese neuen Bauten Hygiene, Sicherheit und Komfort und erregen das Interesse der Architekten, allerdings bleiben sie aus wirtschaftlichen und ideologischen Gründen baugestalterisch unauffällig, denn die Meinungen über die in die Schulbildung zu investierenden Finanzmittel gehen stark auseinander: Soll sich diese an den traditionellen pädagogischen Strukturen des Klerus orientieren oder sich emanzipieren?

Die Frage wird durch die Gesetze von Jules Ferry über die kostenlose und säkulare Pflichtschule (1881-1882) gelöst. Auf Anregung der Lehrer, die selbst gründlich in spezifischen pädagogischen Lehranstalten ausgebildet werden, setzt sich die Schule langsam durch und widersetzt sich dem jahrhundertelangen allgegenwärtigen Einfluss der Kirche auf die Schulbildung.

Die Schularchitektur, die ab 1880 durch eine staatliche Regelung bestimmt ist, symbolisiert die Trennung von Politik und Religion durch einen spezifischen Stil: Der Historizismus der religiösen Gebäude wird aufgegeben, und die Architekten verwenden eine vereinfachte dekorative Architektursprache basierend auf der sichtbaren Verwendung von polychromen Materialien. Diese Strömung lehnt sich an die rationalistische Philosophie von Viollet-le-Duc an, einem berühmten Verteidiger der republikanischen säkularen Werte.

Architektur und Säkularismus (II): Die republikanische Architektur der Mittelschulen

Saal 21

Eugène TrainPerspektive des Collège Chaptal in Paris© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda
Parallel zur Einrichtung der kostenlosen und säkularen Pflichtschule verstärkt Jules Ferry zusätzlich das Mittelschulsystem, das 1802 von Napoleon I. gegründet wurde. Mehrere Dutzend Sekundarschulen, die den Unterricht der religiösen Kongregationen unterminieren sollen, werden Ende des 19. Jahrhunderts unter der architektonischen Leitung der Kommission für Mittel- und Oberschulen bestehend aus Architekten wie Anatole de Baudot oder Emile Vaudremer errichtet, die Anhänger des Gedankenguts von Viollet-le-Duc waren.

Der Stil der Schulen von Jules Ferry gründet auf der dekorativen Verwendung von polychromen Materialien nach dem Vorbild des Collège Chaptal, einer Bildungseinrichtung, die eine Verbindung zwischen Grund- und Mittelschule schaffen sollte und im Zweiten Kaiserreich von Eugène Train entworfen wurde. Dieses Bauwerk dient auch als Vorlage für die Mittelschulen der III. Republik, auch wenn diese einen schlichten und monumentalen Stil aufweisen - eine Garantie für die pädagogische Seriosität des Unterrichts.

Bedeutung der Diskussion über den Säkularismus Ende des 19. Jahrhunderts der Schularchitektur eine wichtige ideologische Rolle zuerkennt, so achten die Republikaner zudem darauf, dass alle öffentlichen Gebäude eine symbolische Tragweite aufweisen, wovon die Verwendung der berühmten Abkürzung RF (Republique Française) zeugt.

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