Musée d'Orsay: Architektur und Zeichnen

Architektur und Zeichnen

Eugène Belville (Meudon 1863-Chatenay 1931)

Säle 17 und 21

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Eugène BelvillePanneau mural avec banquette© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Nachdem E. Belville sein Glück als Autor von Theaterstücken und Operntexten versucht hatte, widmete er sich der Zeichnung und dabei insbesondere der Illustration. Er arbeitete auch mit Leder und gestaltete zahlreiche Einbände. Da er seine Arbeiten in einem passenden Rahmen auf dem Salon präsentieren wollte, entwarf E. Belville 1897 das Modell für eine Vitrine, die als Vorlage für die Kunstpresse diente. Dies ist der Beginn einer von ihm entworfenen Reihe von Möbeln, von denen viele im Musée d’Orsay aufbewahrt werden.

Belvilles Arbeiten zeichnen sich durch ihren modernen Stil aus. Er setzte sich für die Erneuerung des Kunstgewerbes ein und gehörte 1904 zu den Begründern des Salon des Artistes décorateurs. In der Fachpresse veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel und Kritiken. 1907 wurde er stellvertretender Direktor der Zeitschrift L'Art Décoratif, „eine Einrichtung, die sich ernsthaft für die Verbreitung und Erneuerung des Kunstgewerbes einsetzt”.

Die letzten Jahre seiner Karriere widemte E. Belville der Lehre. 1923 wurde er zum ersten Direktor der École des Arts appliqués à l’Industrie in der Rue Petit-Thouars ernannt. Sein Unterricht war modern und er betreute seine Studenten mit großem Engagement bis zu ihrer Integration in Industriebetriebe. Als er 1928 in Rente ging, hatte die Schule einen soliden Ruf erlangt und sein Unterricht galt als „vorbildlich”.

Eugène Belville, ein nüchterner Dekorateur

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Eugène BelvilleLit et deux tables de nuit© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
In den Arbeiten von Eugène Belville, der eine Ausbildung zum Zeichner absolviert hatte, spielt die Linie eine wichtige Rolle. Er verwendet mit Vorliebe Blumenmotive oder verbindet Formen und Linien miteinander. In seinem pädagogischen Programm liegt der Schwerpunkt auf der Zeichnung.

„Die Zeichnung […] ist die Grundlage des Studiums: Sie ist die Schrift und die natürliche Sprache des Dekorateurs”.>Er hebt die technische Dimension der Zeichnung in seiner Lehre hervor: Die Zeichnung muss nicht nur schön sein, das Modell muss auch leicht umsetzbar sein.„Schuster, bleib bei denen Leisten, […] Bitten Sie den Künstler um die Vorlagen”, rät E. Belville den Handwerkern in seiner Abhandlung zur Bearbeitung von Leder, „und machen Sie entsprechend Ihrer Technik sorgfältig Gebrauch davon”. Diesen Rat befolgt er persönlich im Bereich des Mobiliars.

Seine Kunst beschränkt sich auf die signierte oder mit Blumenmonogramm versehene Zeichnung, die Ausführung der Modelle vertraut er Kunstschreinern des Faubourg Saint Antoine an. Der Bestand des Musée d’Orsay veranschaulicht die Herstellung dieser „nüchternen” Jugendstilmöbel. Die Formen erscheinen heutzutage zwar etwas einfallslos, doch Zeitgenossen wie Gustave Soulier loben E. Belville, der im Gegensatz zu zahlreichen anderen Künstlern, die sich neuen Impulsen hingaben, […], seiner Logik und seinem Ideal von Ausgewogenheit treu blieb”. Seine Gegner jedoch werfen ihm vor, dass sein Dekor zu einfach und unpersönlich ist, und dass er die Struktur seines Mobiliars nicht beherrscht.

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Palasthotels

Hinterer Hauptsaal

Zeichnung
Henri MartinetProjekt für den Pavillon Bellevue in Meudon.© Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Die Entwicklung der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ein wichtiges gesellschaftliches Phänomen mit zahlreichen Auswirkungen auf Arbeit, Freizeit, Alltag und die Wirtschaft.
Ein neuer Luxus für die adelige und großbürgerliche Gesellschaft besteht darin, im Hotel zu wohnen.

Die Eisenbahnunternehmen wie die Gebrüder Pereire in Paris, u.a. Bauträger der „Compagnie des Chemins de fer de l'Ouest“, oder auch Georges Nagelmackers, Gründer der „Compagnie internationale des Wagons-lits“, unterstützen sehr früh den Bau von Hotels, die den Touristen die Möglichkeit bieten, sich zwischen zwei Fahrten auszuruhen und die Umgebung zu genießen.

Dieses System führt zur Entstehung großer Luxushotels und schafft eine neue sehr ertragreiche Wirtschaft mit mehreren Facetten (Konstruktion, Herstellung von Mobiliar, Gastronomie, Handel im Allgemeinen).
Im Zuge der Universalausstellungen werden die Bahnhöfe in Paris umgebaut (Gare Saint-Lazare 1889, Gare d'Orsay 1900), was die Entstehung von Hotels an den Endhaltestellen fördert.

Nach und nach entwickeln sich ebenfalls Hotels an den Touristenorten außerhalb der großen Städte. Die Hotels spiegeln die momentanen architektonischen Tendenzen wider - Historismus, Traditionelle Architektur oder Jugendstil.

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