Architektur Hängung

Ein Amerikaner in Paris : Architekturzeichnungen aus der Neil Levine Sammlung

Säle 17 und 21

Félix DubanA Pompeia© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Im Jahr 2013 schenkte der amerikanische Architekturhistoriker Neil Levine über die American Friends du musée d'Orsay seine Sammlung an Zeichnungen über die französische Architektur des 19.
Jahrhunderts eine gewisse Geringschätzung entgegengebracht wurde und zeugt somit auch von seinem Pioniergeist.

Neil Levine, ein Spezialist für Henri Labrouste, Architekt der Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève (1851) und des Lesesaals der kaiserlichen Bibliothek (1868), folgte bei der Zusammenstellung seiner Sammlungen zwei Schwerpunkten, die seine Interessengebiete als Historiker widerspiegeln: Die architektonischen Innovationen der französischen Romantik, zu deren wichtigsten Vertretern Labrouste zählte, und die architektonische Ausbildung an der École des Beaux-Arts, deren Weiterentwicklung er ebenfalls maßgeblich beeinflusste.
Diese in ihrer Gesamtheit gezeigte Sammlung ist hier von mehreren Zeichnungen aus der Sammlung des Musée d'Orsay begleitet, deren Zusammenstellung zu einem späteren Zeitpunkt, jedoch mit einem vergleichbaren Ansinnen begann.

Jean Baptiste LassusBlick vom Dach der Kathedrale von Chartres© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Die französische Romantik in der Architektur

Neil Levine zeigte als einer der ersten, dass Henri Labrouste weit mehr war als ein Pionier der Metallarchitektur.
Zu einer Zeit, als der von Victor Hugos Hernani (1830) ausgelöste Skandal dem Widerstand der Romantiker gegen die Klassik Gestalt gab, war er der Anführer einer Generation, welche die von der Akademie verteidigten neoklassischen Ideale mit einer Neubetrachtung der historischen Modelle und der symbolischen Dimension der Architektur in ihren Grundfesten erschütterte.

Die frühromantischen Werke der Neil Levine Sammlung - von Jean Laurent Le Geay, der Lehrer Étienne Louis Boullées, bis Gustav Friedrich Hetsch, ein Schüler Charles Perciers - machen den Nachhall der Aufklärungszeit in dieser Entwicklung deutlich, die von den Architekten der Generation Henri Labroustes in Italien angefertigten Studien wiederum offenbaren die neuen Bezugspunkte, die diese dort schöpften.

Die Aquarelle von Jacques Ignace Hittorff, Jean-Baptiste Lassus, Félix Duban und dessen Schülers Charles Questel illustrieren eindrucksvoll den neuen, feinfühligen und polychromen Planungsansatz der daraus hervorgegangenen Architektur.

AnonymLängsschnitt einer Villa © Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Die Ecole des Beaux-Arts

1975 widmete das Museum of Modern Art (New York) Zeichnungen, die der architektonischen Lehre an der Ecole des Beaux-Arts entstammen, eine eigene Ausstellung. Die Sammlung Neil Levines, der an diesem Vorhaben mitwirkte, zeugt von seinem Interesse an dieser Kunsthochschule.
Neben den Wettbewerbsprojekten, die das Rückgrat der Ausbildung bildeten, lassen die von dem Architekten Edouard Villain aus seiner Zeit an der Ecole des Beaux-Arts (1846-1854) stammenden Studiensammlungen die methodische Untersuchung konkret werden, welche die Schüler mit dem Ziel der Einbeziehung der von den Älteren getesteten Lösungen gemäß den Prinzipien des Eklektizismus verfolgten.

Die Zeichnungen des Architekten Henri Mayeux, Professor für dekorative Komposition an der Ecole des Beaux-Arts, zeugen von der Ende des 19. Jahrhunderts festzustellenden Erneuerung der Lehre und der von Henri Labrouste mit der Bibliothek Sainte-Geneviève eingeleiteten Infragestellung des traditionellen Verhältnisses von Verzierung und Struktur.
Die von dem Architekten Gabriel di Martino während seiner Ausbildung in New York angefertigten Studien verdeutlichen die Anpassung der pädagogischen Grundsätze der Ecole des Beaux-Arts an die Vereinigten Staaten.

Auf dem Balkon

Hinterer Hauptsaal

Dessin d'architecture
AnonymeHaus der Amtsblätter© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Das Pariser Wohnhaus des 19. Jahrhunderts unterliegt strikten Vorschriften in Bezug auf seine Höhe, seine Grundfläche und Ornamentik. Der Balkon, der die Möglichkeit bietet, sich im Freien aufzuhalten, ist ein dekoratives und funktionelles Element, dem auch eine gesellschaftliche Bedeutung zukommt. Seit der Julimonarchie befindet sich der Balkon entweder auf der Étage noble, dem zweiten Geschoss, wo die herrschaftlichen Wohnungen liegen, oder auf der letzten Etage, wo man von Licht und Luft profitieren kann.

Allmählich dehnt sich der Balkon auf allen Ebenen aus und büßt seine gesellschaftliche Funktion ein. Man findet alle möglichen Varianten: durchgehender Balkon, Brüstung und ab 1890 der Erker, eine Art geschlossener Balkon. Durch die Vereinheitlichung der Geschosse verschwindet die gemischte Bevölkerungsstruktur. Die schmiedeeiserne Ornamentik des 18. Jahrhunderts wurde vom Eisenguss verdrängt, der Kombinationen von sich wiederholenden Motiven ermöglicht.

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