Architektur Hängung

Von 30. Mai bis 15. September 2014

Pariser Architektur des Second Empire: Funktionalität und Monumentalität

Zeichnungen, Fotografien, Malereien, Skulpturen und Gravuren des Musée d'Orsay
positif
Delmaet & DurandelleConstruction de l'Hôtel Dieu, côté rue d'Arcole© DR Musée d'Orsay (dist. RMN) / Patrice Schmidt
Zu Beginn des Second Empire erstickte die Bevölkerung von Paris in einer Stadt, die von alten und zu engen Gassen durchzogen war. Kaiser Napoleon III, der sich seit seinem Aufenthalt in London für urbane Fragen interessierte, und Baron Georges Eugène Haussmann, ein tatkräftiger Verwalter, der im Juni 1853 zum Präfekten des Departements Seine ernannt worden war, engagierten sich nun für die Umwandlung der Hauptstadt nach einem globalen Plan, dessen Idee bereits seit mehreren Jahren im Umlauf war.

Adolphe Alphand (1817-1891), Jean Darcel (1823-? après 1902), Emile Reiber (1826-1893)
 Projet de tour en fonte pour le puits artésien de Passy  [Entwurf eines gusseisernen Turmes für den artesischen Brunnen von Passy]
  1857
 Aquarell und weiße Gouacheaufträge 
 Paris, Musée d'Orsay
Adolphe Alphand, Jean Darcel, Emile ReiberEntwurf eines gusseisernen Turmes für den artesischen Brunnen von Passy© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda
Das Gesetz von 1852 über die Enteignung ermöglichte es, die Öffnung neuer Verkehrswege zu finanzieren, die mehr Raum im Zentrum von Paris schaffen und den Verkehr erleichtern sollten. Die Gebäude entlang dieser Straßen wurden nach präzisen Bauplänen errichtet, um eine schlichte und klassische städtebauliche Harmonie zu erreichen.

Diese umfangreichen Arbeiten nahmen durch die Eingliederung der Nachbarkommunen (1860) ein größeres Ausmaß an und führten zu zahlreichen Gebäudeabrissen, allerdings wurden auch neue öffentliche Bauwerke errichtet, um dem Bedarf der wachsenden Bevölkerung Rechnung zu tragen und die Perspektiven der neuen Verkehrsachsen zu verschönern. Die architektonische Handschrift bewegt sich zwischen klassischer Schlichtheit (Garantie für Kosteneffizienz) und dekorativer Opulenz, die den monumentalen Baustil betont.

Pariser Architektur des Second Empire: Im Dienst der "Fête impériale"

Zeichnungen, Fotografien, Malereien, Skulpturen und Gravuren des Musée d'Orsay
Architekturzeichnung
Alphonse-Adolphe CusinThéâtre de la Gaîté© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda
Die Modernisierung der Theaterbauten stellte einen wichtigen Aspekt der Umwandlung von Paris dar, die unter der Leitung des Präfekten Haussmann durchgeführt wurde. Im Rahmen des Durchstichs des Boulevard du Prince Eugène (heute Boulevard Voltaire) verschwand ein Teil des Boulevard du Temple, an dem sich die wichtigsten Pariser Theater befanden und deren exzessiver Trubel ihm als Bedrohung für die öffentliche Ordnung erschien. Die meisten dieser Etablissements wurden durch Bauten ersetzt, deren Lage von der Verwaltung sorgfältig gewählt wurde. Die Théâtres du Châtelet wurden gemeinsam mit dem naheliegenden Théâtre de la Gaité als ein neuer Unterhaltungsort im Zentrum von Paris und Mittelpunkt des Nachtlebens rund um das Rathaus und den Boulevard de Sébastopol geschaffen. Das bedeutendste dieser Bauwerke war die neue Oper, die vom Staat nach dem Attentat von Orsini auf Kaiser Napoleon III in strategisch vorteilhafter und monumentaler Lage errichtet wurde. Die prachtvolle Architektur dieser Bauwerke war ein Teil des Hoflebens der "Fête impériale": Über den Unterhaltungsaspekt hinaus boten sie den wichtigsten Publikumsgruppen, d.h. den Bürgern und Adeligen des Second Empire, die Gelegenheit, ihren sozialen Aufstieg in Szene zu setzen.

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