Architektur Hängung

Die Art Nouveau und ihre Ableger: Paris (1)

Zeichnungen und Veröffentlichungen zur Architektur im Musée d’Orsay

Raum 17
Die künstlerischen Recherchen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die die kulturelle Entwicklung der westlichen Gesellschaften widerspiegeln, streben danach, den Historismus zu erneuern. Dies zeigt sich ganz besonders im Bereich der Architektur: Der angewandten Kunst wie auch der Art Nouveau dienen die Formen der Natur als Vorbild. In Frankreich entwickelt Hector Guimard ein neues Formenvokabular, das den gotischen Organizismus von Viollet-le-Duc ablöst. Ein beredtes Zeugnis dafür ist sein erstes großes Projekt, das Castel Béranger (1898). In den meisten Fällen jedoch vermischen sich die Formen der Art Nouveau mit anderen Referenzen, bei Marin und Graf oder Breffendille spürt man regionalistische Entlehnungen, Brandon, Jaussely oder Bouwens van der Boijen greifen auf den Louis-quinze-Stil zurück, Hermant oder Hornecker auf die Antike und Binet auf den Orient. Auf der Weltausstellung 1900 (Sébille oder Pille) machen sich die geschwungenen Linien der Art Nouveau rar. Diese heterogenen Recherchen, die von der Zeichnung geprägt werden, befreien das Ornament von der Struktur, indem sie mit der von Ordnung gekennzeichneten klassischen Architekturtheorie brechen, sie erweisen sich als richtungsweisend für das 20. Jahrhundert.

Die Art Nouveau und ihre Ableger: Wien

Zeichnungen und Veröffentlichungen zur Architektur im Musée d’Orsay

Raum 21
Die angewandte Kunst wie auch der Jugendstil im deutschsprachigen Raum werden durch die Formen der Natur inspiriert. Die Hochburg dieser Erneuerung ist das Atelier des Architekten Otto Wagner an der Akademie der Schönen Künste in Wien. Der Künstler steht den Gründern der Sezession nahe, zu denen auch Josef Hoffmann, der berühmteste seiner Schüler, zählt. Seinem Beispiel folgend bedienen sich die Architekten und Wagner-Schüler Emil Hoppe, Marcel Kammerer und Otto Schonthal, von denen das Musée d’Orsay zahlreiche Zeichnungen besitzt, in den Anfängen naturalistischer Formen. Doch in der Hauptstadt der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zeichnet sich die Linienführung durch eine klassische Regelmäßigkeit aus, die auf den nüchternen Stil des Biedermeier zurückgeht (Villa Vojcsik). Dieses Erbe führt zu einer neuen geometrischen Formensprache (Palais Fischer). Im Gegensatz dazu dient auch das barocke Wien manchen Projekten als Vorbild (Entwürfe für das Schloss Schönbrunn). Diese facettenreichen Recherchen, die von der Zeichnung geprägt werden, befreien das Ornament von der Struktur, indem sie mit der von Ordnung gekennzeichneten klassischen Architekturtheorie brechen, sie erweisen sich als richtungsweisend für das 20. Jahrhundert.

Die Stadt der Lichter

Sammlungen des Musée d'Orsay

Hinterer Hauptsaal
Die Straßenbeleuchtung prägt die moderne Stadt des 19. Jahrhunderts. Paris ist für seine Gaslaternen bekannt, und die Laternenmasten werden für die Architekten zu Studienobjekten.

1879 erfindet Edison die Glühbirne, wodurch das elektrische Licht zur Energie der Zukunft wird. Die Weltausstellungen sind die Schaufenster dieser Innovationen, und in diesem Kontext reicht Jules Bourdais seine "Colonne-soleil" (dt. Sonnensäule) für die Ausstellung von 1889 ein.
Letztendlich sollte der Eiffelturm gebaut und mit zwei Beleuchtungsprojektoren ausgestattet werden.

Die Utopie, die gesamte Stadt über ein einziges Bauwerk zu beleuchten, wird Wirklichkeit anlässlich der Universalausstellung von 1900 mit dem Elektrizitätspalast von Eugène Hénard Mit diesem Bauwerk konnte die Beleuchtung der gesamten Ausstellung bei Tag wie auch bei Nacht gesteuert werden.
Die damaligen Texte sprechen von einem "Lichtzauber" dank der unzähligen überall verteilten farbigen Glaslampen.

Diese Beleuchtung befindet sich auch innen in den Empfangsbereichen Die Festlichkeiten stehen ganz im Zeichen des Wunders der Elektrizität. Es erreicht seinen Höhepunkt auf der internationalen Ausstellung für Kunst und Technik 1937 u.a. mit Raoul Dufy.

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