Architektur Hängung

Architektonische Landschaften

Säle 17 und 21

Zeichnung
François GarasGebirgslandschaft mit Wasserfall bei Sonnenuntergang© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Architekten wie auch Maler hinterfragten um die Wende zum 20. Jahrhundert den Sinn der zeitgenössischen Welt, was mit einer Neubesinnung über die Bedeutung ihres Berufs als Baumeister einherging. Die Situation der Architektur, die damals sowohl im Bereich der Stadtplanung als auch im Bauwesen gut war, war in konzeptueller Hinsicht Gegenstand heftiger Kritiken. Im Katalog des zweiten Salons der Rosenkreuzer 1893 schrieb Sâr Peladan: „Die Architektur! Da die Architektur im Jahr 1789 gestorben ist, werden nur Rekonstruktionen oder Projekte von Tempeln und Märchenpalästen akzeptiert”. In Anbetracht dieses Kontextes organisierte die Galerie Le Barc de Bouteville 1896 die Ausstellung „Impressionen von Architekten”, an der F. Garas, G. Guillemonat, E. Herscher, C. Imbert, H. Provensal und H. Sauvage teilnahmen. Diese idealistischen Architekten wendeten sich von der dritten Dimension ab und beschäftigen sich mit der Landschaftsmalerei. Als Inspirationsquelle für ihre dem Gedanken und der Harmonie gewidmeten Werke, die von religiösen Referenzen geprägt sind, dienen die Literatur und die Musik.

Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert werden die okkulten Wissenschaften immer populärer und man beschäftigt sich zunehmend mit religiösen Fragen, die durch die sich wandelnde Welt aufgeworfen werden. Die Architekten verkehren wie alle Künstler in einem Netzwerk von Schriftstellern, Musikern und Dichtern. Auch die Naturwissenschaften stehen im Zentrum der Debatten, der Gelehrte Camille Flammarion schrieb beispielsweise ein populärwissenschaftliches Werk zum Kosmos. Der Architekt Gaston Redon, Bruder des Malers Odilon Redon, ist bestrebt, Landschaften darzustellen, die das Übernatürliche zeigen und Leben und Tod hinterfragen. Der Maler, Musiker und Architektensohn Richard Burgsthal lässt sich durch die Musik von Wagner zu fantastisch anmutenden Landschaften inspirieren, die einem Bühnenbild oder einem Karton für eine Glasmalerei nachempfunden sind. Dem Zeichenlehrer Eugène Grasset dient die Landschaft als Sujet für Studien stilisierter Formen. Und der Architekt und Restaurator Louis Boitte erinnert an die Bedeutung der unbebauten Landschaft als wesentlicher Bestandteil unseres Lebensumfeldes.

Paris am Ufer des Nils, Architektur und Urbanismus in Kairo von 1869 bis 1914

Hinterer Hauptsaal

Zeichnung
Raoul BrandonDas Geschäft Omer Effendi (Orosdi Back) in Kairo© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Die prachtvolle Vergangenheit Ägyptens weckt seit jeher das Interesse von Reisenden und Archäologen, aber infolge des starken Wachstums von Kairo im 19. Jahrhundert wird die Stadt ebenfalls zu einer Wahlheimat für Unternehmer und Architekten. Sie exportieren das städtebauliche Haussmann-Modell, das den ägyptischen Vizekönig bei seinem Besuch in Paris anlässlich der Universalausstellung von 1867 (und etwas später im Juli 1869, einige Monate nach der Eröffnung des Suez-Kanals) überzeugt hatte. Der junge Ingenieur Gustave Eiffel ist auf der Suche nach Aufträgen und reist im April 1865 an die Großbaustelle am Isthmus. Im Anschluss an den französisch-preußischen Konflikt versucht Ambroise Baudry sein Glück in Ägypten, wo er bis zu seiner Rückkehr nach Frankreich 1886 eine glänzende Karriere führen sollte. Der Niedergang des osmanischen Reichs schafft somit in Kairo die Voraussetzungen für ein goldenes Zeitalter der Architektur, getragen von privaten Investitionen, die einem architektonischen Eklektizismus förderlich sind, sowie dem System der öffentlichen Ausschreibungen, das vom ägyptischen Nationalmuseum im Jahr 1895 eingeführt wird und den Beaux Art-Architekturstil unterstützt. Raoul Brandon ist einer jener zahlreichen Franzosen, die vom Immobilienboom in Kairo profitieren. Im Zuge seiner Reise im Jahr 1902 wird er mit dem Bau der neuen Kaufhäuser der österreichisch-ungarischen Orosdi-Back-Kette beauftragt. In sein Büro in Kairo leitet er zahlreiche Bauvorhaben im Rahmen der Gestaltung neuer Stadtviertel, die jedoch vom ersten Weltkrieg unterbrochen werden.

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