Von den Glorreichen Drei Tagen zur dritten Republik

Die Restauration

Jean Baptiste IsabeyPorträt Ludwigs des XVIII.© RMN-Grand Palais (Musée du Louvre) / DR
Auf das Erste Kaiserreich folgt die Restauration, die Epoche der Wiederherstellung der Bourbonenmonarchie. Die Könige machen Zugeständnisse und garantieren Frankreich mit der Charte gewisse Freiheiten. Die beiden jüngeren Brüder von Ludwig XVI. übernehmen nacheinander die Regierung. Ludwig XVIII. herrscht von 1814 bis 1824. Seine Herrschaft wird durch die Hundert Tage vom 20. März bis 22. Juni 1815 unterbrochen. Während dieser Periode kehrt Napoleon I. vor seiner Niederlage in Waterloo, die seiner Herrschaft endgültig ein Ende setzt, an die Macht zurück. Karl X. ist von 1824 bis 1830 an der Macht. Die Restauration endet mit der Julirevolution 1830, die zur Abdankung Karls X. führt.

 

Julirevolution 1830 und Julimonarchie

Eugène Delacroix28. Juli 1830: Die Freiheit führt das Volk© RMN-Grand Palais (Musée du Louvre) / Hervé Lewandowski
Nach einer langen ministeriellen und parlamentarischen Krise lehnt sich das Pariser Volk am 25. Juli 1830 gegen Karls X. konstitutionellen Gewaltstreich auf. Am 27., 28. und 29. Juli 1830, den drei glorreichen Tagen („Trois Glorieuses“) errichten die Rebellen Straßenbarrikaden und kämpfen in einem blutigen Aufstand gegen die Armee. Es gibt über tausend Tote.
Karl X. und die königliche Familie fliehen. Die liberalen Abgeordneten bringen die Volksrevolte unter Kontrolle und errichten eine konstitutionelle Monarchie. Ein König folgt auf den anderen, die Bourbondynastie wird durch die Orléansdynastie verdrängt, Louis-Philippe I. besteigt den Thron. Die Monarchie ist jedoch nicht mehr absolut und die weiße Fahne weicht der Trikolore mit gallischem Hahn. Der König von Frankreich ist von nun an König der Franzosen.

Die Revolution von 1848

Ernest MeissonierDie Barrikade, Rue de la Mortellerie 1848© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
Nach 1789 und 1830 findet am 23., 24. und 25. Februar 1848 die dritte Revolution in Paris statt. Angesichts der Krise der Julimonarchie gärte die Unzufriedenheit, eine mörderische Schießerei facht die Unruhen an: die Liberalen und Republikaner rufen zum Aufstand auf. Die Aufständischen haben die Hauptstadt in ihrer Gewalt.
Louis-Philippe will nicht noch mehr Blut vergießen lassen (350 Tote, 500 Verletzte) und weigert sich, den Aufstand niederschlagen zu lassen. Der Monarch wird gezwungen abzudanken und will die Macht seinem Enkel übertragen. Die Revolutionäre weigern sich. Am 25. Februar 1848 wird die II. Republik ausgerufen.

Die II Republik

Honoré Daumier 
 (1808-1879)
 La République [Die Republik]
 1848
 Öl auf Leinwand
 H. 73; B. 60 cm
 Paris, Musée d'Orsay, Schenkung Etienne Moreau-Nélaton, 1906
Honoré DaumierDie Republik© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Während der ersten Monate wird die II. Republik von einer provisorischen Regierung geführt. In dieser Zeit wird die Sklaverei in den französischen Kolonien abgeschafft und das allgemeine Wahlrecht für Männer eingeführt. Eine schlimme Wirtschaftskrise verursacht großes Elend unter den Arbeitern und führt im Juni 1848 zu einem Aufstand. Er wird von den Regierungstruppen von Cavaignac blutig niedergeschlagen.

Nach Ausruf einer neuen Konstitution am 4. November wird am 10. Dezember 1848 der Präsident der Republik gewählt. Die Wahl fällt auf Charles Louis Napoléon Bonaparte, Neffe von Napoleon I.. Nach zwei gescheiterten Staatsstreichen gegen die Julimonarchie hatte er ins Exil nach Brasilien, dann in die Vereinigten Staaten und zum Schluss nach England gehen müssen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich gelingt es ihm, dank der Erinnerung an das Erste Kaiserreich, dank der Spaltung der Linken und der Stimmen der Parti de l’Ordre gewählt zu werden.

Napoleon III. und das Zweite Kaiserreich

André-Alphonse-Eugène Disdéri Porträt Napoléons des III., Standbild© Musée d'Orsay
Am 2. Dezember 1851 bringt der Prinz-Präsident durch einen Staatsstreich alle Staatsgewalt in seine Hand. Ein Jahr später, am 2. Dezember 1852, stellt er das Kaiserreich wieder her und regiert unter dem Namen Napoleon III.

Mit einer Mischung von Autoritarismus und Sozialpolitik will er Land und Hauptstadt modernisieren. Sein Aufenthalt in London hat ihm die Probleme der Städteplanung zu Bewusstsein gebracht. Unter diesem Einfluss leitet er tief greifende Veränderungen in Paris ein. Am 2. September 1870 wird er bei Sedan von Preußen und den anderen deutschen Staaten, denen er am 15. Juli 1870 den Krieg erklärt hatte, gefangen genommen und gestürzt. Die III. Republik wird am 4. September ausgerufen.

Die Pariser Kommune

E. QuetierDie umgestürzte Vendômesäule© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Michèle Bellot
Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands, welcher dem preußisch-französischen Krieg ein Ende setzt (28.-29. Januar 1871) und vorsieht, dass Elsass-Lothringen den deutschen Staaten überlassen werden soll, weigert sich Paris, sich zu ergeben. Am 18. März beginnt ein Volksaufstand, der allgemein als Pariser Kommune bezeichnet wird. Sie endet ganz tragisch mit der blutigen Woche (30 000 Tote und zahlreiche Deportierungen nach Neu-Kaledonien.)

Die Kommune ist für die Revolutionäre der ganzen Welt zu einem Mythos geworden. Die im Juli 1871 von Eugène Pottier verfasste und 1888 von Pierre Degeyter mit einer Melodie versehene Internationale wird heute noch gesungen.

Die Dritte Republik (1875-1940)

Claude Monet 
 (1840-1926)
 La Rue Montorgueil à Paris. Fête du 30 juin 1878 [Die Rue Montorgueil in Paris. Fest des 30. Junis 1878]
 1878
 Öl auf Leinwand
 H. 81; B. 50 cm
 Paris, Musée d'Orsay
Claude MonetDie Rue Montorgueil in Paris. Fest des 30. Junis 1878© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Die Dritte Republik ist das französische Regime mit der längsten Lebensdauer seit 1789.
Sie wird am 4. September 1870 nach der Niederlage bei Sedan und dem Sturz des Zweiten Kaiserreichs proklamiert. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass sie erst 1875, nach einem Kampf zwischen Monarchisten, Bonapartisten und Anhängern der Republik wirklich beginnt, als Wallons Abänderungsantrag, in welchem das Wort „Republik“ vorkommt, mit einer großen Mehrheit angenommen wird. Darin heißt es: „Der Präsident der Republik wird mit der absoluten Mehrheit der den Senat und die Abgeordnetenkammer umfassenden Nationalversammlung gewählt. Er wird für sieben Jahre ernannt und kann wiedergewählt werden.“

Die Dritte Republik dauert trotz heftiger politischer Krisen wie dem Panamaskandal, der Boulangismuskrise und der Dreyfus-Affäre 65 Jahre. Ihr sind die allgemeine, öffentliche, unentgeltliche Schulpflicht und die Trennung von Kirche und Staat zu verdanken.

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