Erwerbsverfahren

Die Kunstwerke des Museums sind auf verschiedenen Wegen in die Sammlungen eingegangen. Die Art des Ankaufs ist Teil der Geschichte eines Kunstwerks und erscheint auf zahlreichen Dokumenten, die sich darauf beziehen, von der Legende, die die Reproduktion begleitet, bis hin zu einem Katalogeintrag. Nachfolgend finden Sie die Definitionen der wichtigsten Arten des Ankaufs.

Achat (Ankauf)
Das Museum erwirbt zu vorab festgelegten Bedingungen den Besitz eines Werkes gegen Bezahlung.

Achat après commande (Auftrag: Kunst)
Das Museum gibt bei einem Künstler die Realisierung eines Werks in Auftrag, das nach Vollendung in die Sammlungen des Museums aufgenommen wird.

Achat au Salon (Ankauf auf dem Salon)
Vom 19. bis beginnenden 20. Jahrhundert waren die Salons wichtige kulturelle Veranstaltungen. Die Künstler präsentierten ihre Arbeiten in der Hoffnung, Anerkennung bei den Kritikern zu finden und ihre Werke an Kunstsammler oder an den Staat zu verkaufen.

Achat avec participation (Ankauf mit Beteiligung)
Das Werk wird dank der finanziellen Unterstützung einer juristischen oder natürlichen Person erworben. Diese Ankaufsart nimmt seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Förderung des Mäzenatentums am 1. August 2003 zu.

Achat en vente publique (Ankauf auf öffentlichen Versteigerungen)
Das Werk wird auf öffentlichen Versteigerungen erworben. Das Museum handelt hier wie jeder andere Bieter. Das Werk wird dem Meistbietenden zugeschlagen.

Achat par préemption en vente publique
(Ausübung des Vorverkaufsrecht auf öffentlichen Versteigerungen)
Wenn der Staat von seinem Vorverkaufsrecht Gebrauch machen will, wird diese Entscheidung sofort nach dem Zuschlag dem gesamten Saal mündlich angekündigt. Der zuständige Angestellte spricht laut folgende Formel: „Vorbehaltlich der Ausübung des Vorverkaufsrechts des Staates“. Das Vorverkaufsrecht tritt jedoch nicht sofort in Kraft. Der Staat gibt seine definitive Antwort innerhalb von zwei Wochen. Während dieser Periode kann die Behörde ergänzende Untersuchungen oder historische Nachforschungen durchführen lassen. Wenn der Staat sein Vorverkaufsrecht nicht ausübt, gilt auf Grund der auflösenden Bedingung der letzte Bieter als Erwerber des Kunstwerks.

Achat par préemption en douane
(Ausübung des Vorverkaufsrechts am Zoll)
Ein Kunstwerk wird vor Verlassen des französischen Staatsgebiets am Zoll festgehalten. Der französische Staat handelt mit dem Verkäufer einen Preis aus und kauft das Werk für die nationalen Sammlungen. Dieses Eilverfahren kommt nur selten zur Anwendung.

Achat sur les arrérages d'un legs
(Erwerb dank des Rentenertrags eines Nachlasses)

Vermächtnis eines Geldbetrags. Diese Summe wird angelegt und bringt jedes Jahr Einkünfte, die in regelmäßigen Zeitabständen den Ankauf von Kunstwerken ermöglichen. Eine äußerst seltene Erwerbungsart.

Achat sur les arrérages d'une donation
(Erwerb dank des Rentenertrags einer Spende)
Siehe „Erwerb dank des Rentenertrags eines Nachlasses"

Schenkung eines Geldbetrags. Diese Summe wird angelegt und bringt jedes Jahr Einkünfte, die in regelmäßigen Zeitabständen den Ankauf von Kunstwerken ermöglichen. Eine äußerst seltene Erwerbungsart.

Attribution par l'office des biens privés
(Zuteilung durch das Büro für Privatgüter)

Es handelt sich hier um Werke, die nach dem letzten Weltkrieg in Deutschland eingezogen und von ihrem ehemaligen Eigentümer nicht zurückgefordert wurden. Diese Werke sind in einem Sonderverzeichnis aufgeführt. Ihre Inventarnummer beginnt mit „MNR“ oder „REC“.

Dation (Abgeltung von Erbschaftssteuer gegen Kunst)
Dieses System, das sowohl die Genehmigung des Finanzministeriums als auch des Kultusministeriums erfordert, macht es möglich, ausnahmsweise Erbschafts- oder Schenkungssteuern sowie Vermögenssteuern gegen sehr wertvolle künstlerische oder historische Werke abzugelten.
Mehr Informationen zum Dation

Don manuel (Handschenkung)
Die Verfügung des Spenders wird in einem einfachen Schreiben festgehalten.

Donation (Schenkung)
Es handelt sich um eine unentgeltliche Zuwendung, für die eine Willensübereinstimmung erforderlich ist. Sie muss notariell beurkundet sein: der Wille zu schenken einerseits und der Wille zu empfangen andererseits. Es ist ein Vertrag, der die unentgeltliche, sofortige und unwiderrufliche Übergabe eines Gutes regelt und die eventuellen Auflagen, die mit der Schenkung verbunden sind, aufführt.

Donation avec réserve d'usufruit (Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt)
Der Schenker darf das Kunstwerk bis zu seinem Tod behalten. Der Schenker kann seinen Nießbrauch aber auch jederzeit dem Museum überlassen.

Legs (Vermächtnis)
Das Vermächtnis ermöglicht es, durch eine testamentarische Verfügung dem Staat oder einem Museum ein oder mehrere Kunstwerke zu übergeben. Das Werk geht nach dem Tod des Erblassers in die staatlichen Sammlungen ein.

Legs sous réserve d'usufruit (Vermächtnis unter Nießbrauchsvorbehalt)
Der Erblasser vermacht dem Museum ein Kunstwerk, gewährt jedoch einer Drittperson den Nießbrauch. Letztere darf das Werk bis zu ihrem Tod nutzen.

Mode d'acquisition particulier (Sondererwerbungsarten)
Umfasst alle anderen als die obengenannten Erwerbungsarten. Beispielsweise die im Bahnhof von Orsay vorgefundenen Gegenstände bevor der Ort zum Museum umgebaut wurde.

Proposition d'acquisition (Erwerbungsangebot)
Ein Werk wird einem Museum zum Erwerb angeboten. Das Museum hat das Recht, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen, ganz gleich ob es sich um eine Schenkung oder einen Ankauf handelt.

Saisie en douane (Beschlagnahme am Zoll)
Das Werk wird von den staatlichen Behörden beschlagnahmt, als es unrechtmäßig, im allgemeinen zu Verkaufszwecken, aus dem Staatsgebiet gebracht werden soll. Der Staat eignet sich das beschlagnahmte Werk rechtmäßig an. Der unehrliche Verkäufer wird in manchen Fällen entschädigt.

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