Fotografische Hängung

Vom Hahn zum Esel. Die Tierfotografie in der Sammlung des Musée d'Orsay

Sale 19

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AnonymeGarçon tenant un âne© Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Alexis Brandt
Schon kurz nach der offiziellen Geburtsstunde der Fotografie im Jahr 1839 beschäftigen sich die Wegbereiter des Mediums (Chemiker, Optiker, Künstler) mit der technischen Schwierigkeit, Lebewesen einzufangen. Der Mensch kann jegliche Bewegung einstellen: Die ersten Porträts zeigen Bilder von Individuen mit starrem Gesichtsausdruck, da sie mehrere Minuten lang in derselben unbequemen Haltung ausharren mussten. Doch die Reaktion von einem Tier, selbst von einem Haustier, ist unberechenbar. Es werden alle möglichen Vorrichtungen und Maßnahmen eingesetzt, damit es sich nicht bewegt: Leine, Führgeschirr, Versprechen einer Belohnung oder Androhung einer Strafe. Andere wiederum fotografieren schlafende, tote oder gar künstliche Tiere!

Das Tier ist auf der Fotografie des 19. Jahrhunderts allgegenwärtig: als Vorlage für Künstler, wissenschaftliche Studie, Momentaufnahme, Reportage oder als Bild, das künstlerischen Ansprüchen gerecht wird und an die Tradition des Porträts oder Stilllebens anknüpft. Diese vielfältigen Darstellungen zeugen von seiner Integration in eine sehr hierarchisch gegliederte Kette (vom wilden Tier wie dem Affen zum edlen Tier wie dem Pferd oder Löwen) und auch von der allmählichen Änderung seiner Stellung. Es wandelt sich vom Produktionsinstrument, von der Nahrungsgrundlage, vom „beweglichen Gut″ gemäß des französischen Gesetzbuchs von 1804 zum vertrauten Begleiter, der, wie kürzlich in einer Gesetzesreform in Frankreich klargestellt wurde, „ein mit Empfindsamkeit ausgestattetes Lebewesen ist″.

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