


Bis in die Jahre 1880 bleibt das Musée du Luxembourg neueren Entwicklungen in der Malerei unzugänglich. Courbet und Millet werden dort beispielsweise zu Lebzeiten nicht ausgestellt. Den Bemühungen der Künstler, ihren Familien, den Kunstsammlern und so manchen Beamten ist es zu verdanken, dass die zeitgenössische Kunst schließlich Zutritt zu den staatlichen französischen Sammlungen erhält.
1937 wird das Musée d'Art moderne der Nachfolger des Musée du Luxembourg. Es wird im neuen Palais de Tokyo untergebracht, der anlässlich der Weltausstellung erbaut wurde. Das Ausstellungsprogramm umfasst die Neoimpressionisten (außer Seurat), die Schule von Pont-Aven (außer Gauguin) und die Nabis.
Im Zuge der Umstrukturierung des Louvre müssen die impressionistischen Sammlungen 1947 erneut umziehen. Jetzt werden sie im Musée du Jeu de Paume aufgenommen. Man kann nun die Werke von Boudin bis Seurat sowie jene von Toulouse-Lautrec oder Henri Rousseau (genannt der Zöllner) dort finden. In dieser Epoche der Nachkriegszeit werden die Sammlungen dank einer dynamischen Akquisitionspolitik bereichert, die insbesondere zu zahlreichen Künstlerschenkungen führte. Größere finanzielle Mittel, die Unterstützung des Fördervereins Freunde des Musée du Louvre und die Großzügigkeit von Privatpersonen ermöglichen einige unerlässliche Erwerbe wie beispielsweise Gemälde von Seurat, Cézanne oder Redon.Das Musée d'Orsay umfasst folglich die zersplitterten Sammlungen des Jeu de Paume, die restlichen Werke des Musée d'Art moderne im Palais de Tokyo, die dort zwischen 1977 und 1986 „als Vorgeschmack auf das Musée d'Orsay“ präsentiert wurden und schließlich die Werke des Louvre, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammten. Die auf diese Weise zusammengefassten Sammlungen hätten indes der künstlerischen Diversität dieser außergewöhnlich fruchtbaren Epoche nicht Rechnung getragen.
Die Gemäldesammlungen des Musée d'Orsay beschränken sich folglich nicht auf das vom Musée du Luxembourg und vom Musée du Louvre übernommene Erbe, sondern entwickeln sich ständig weiter. Jahr um Jahr verleihen Schenkungen, Abgeltung von Erbschaftssteuer, Neuankäufe den Sammlungen Dynamik und bieten dem Publikum ein immer vollständigeres, stets neues Bild einer fruchtbaren, abwechslungsreichen Epoche, die zu den schöpferischsten der Kunstgeschichte gehört.