


Bei der Gründung des Musée d'Orsay wurden die Zeichnungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht aus den Sammlungen der Abteilung für Grafik des Louvre entfernt, sie gehören wie auch die späteren Erwerbe zum Inventar dieser Abteilung. Siebzig Zeichnungen aus dem Bereich Architektur und Kunstgewerbe (z.B. die Zeichnungen des Architekten Viollet-le-Duc) sowie die gerahmten Pastelle wurden ins Musée d'Orsay verlegt, wo sie wechselweise ausgestellt werden.
Das Musée d'Orsay ist für Künstler zuständig, die zwischen 1820 und 1870 geboren wurden. Es gibt einige Ausnahmen, die auf historischen oder stilistischen Kriterien beruhen, wie Henri Matisse (1869 geboren), der nur mit dem Gemälde Luxus, Stille und Begierde (1904) vertreten ist, das den Übergang von den Sammlungen des Musée d'Orsay und in die des Musée national d'Art moderne (Staatliches Museum für moderne Kunst) kennzeichnet. Andere Künstler, die vor 1820 geboren wurden, gehören zum Programm des Musée d'Orsay wie beispielsweise Honoré Daumier, François Bonvin, Gustave Courbet, Charles-François Daubigny, Henri Harpignies, Ernest Meissonier, Jean-François Millet.Der allmähliche Aufbau des grafischen Bestands hängt von der Geschichte der staatlichen Sammlungen moderner Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab. Das Kernstück der Zeichnungen stammt aus dem Musée national du Luxembourg, das 1818 eingeweiht wurde. Die zuerst zaghaften Erwerbe von Zeichnungen mehren sich ab 1880, da die zeitgenössischen Künstler nun stärker vertreten sind. Es werden Ankäufe von Zeichnungen auf Salons, Atelierverkäufen und posthumen Verkäufen getätigt. Der Staat erwarb für das Musée du Luxembourg Zeichnungen anlässlich der Atelierverkäufe von Henri Regnault (1872), Jean-François Millet (1875), Gustave Guillaumet (1888), Johan-Barthold Jongkind (1892), Ernest Meissonier (1893), François Bonvin (1893), Edgar Degas (1918 und 1919)...
Es gab im Musée du Luxembourg eine besondere Sammlung für die Skizzen, Zeichnungen, Modelle und Originalunterlagen der Gemälde und Statuen, die seit der Gründung in das Museum eingegangen waren. Diese Werke waren von den Künstlern persönlich übergeben worden und galten als Archiv. Rodins Zeichnung nach seiner Skulptur Johannes der Täufer stammt beispielsweise aus dieser Sammlung.
Trotz der Bemühungen von Léonce Bénédite, dem Konservator des Musée du Luxembourg ab 1892, waren nur wenige ausländische Künstler vertreten. Es gab einige Künstlerschenkungen (Edward Burne-Jones übergab 1893 drei Kopfstudien, Leighton eine Studie zu Andromaque 1893 oder Alma-Tadema Die Krönung des Äskulap 1903, und einige Ankäufe. 1922 wird diese Abteilung wie die gesamten ausländischen Sammlungen vom Musée du Luxembourg in das Musée du Jeu de Paume verlegt.
Als „Museum für lebende Künstler“ wollte das Musée du Luxembourg das zeitgenössische Kunstschaffen reflektieren. Folglich sollten die herausragenden Werke einige Jahre nach dem Tod ihres Urhebers in den Louvre und die übrigen in andere Einrichtungen verlegt werden. 1929, 1930 und 1931 werden dem Louvre ganz besonders viele Werke übertragen. Als das Musée du Luxembourg 1937 geschlossen wird, bilden die jüngsten Sammlungen den Grundstock für das neue staatliche Museum für moderne Kunst (es wurde 1937 gegründet, die Übertragung fand auf Grund des Kriegs jedoch erst später statt).
Bei Eröffnung des neuen staatlichen Museums für moderne Kunst im Centre Georges Pompidou 1977 wurden die Zeichnungen von vor 1870 geborenen Künstlern vom Museum für moderne Kunst in die Abteilung für Grafik im Louvre verlegt.