Das Museum verändert sich

Die Säle eines großen Museums unterliegen regelmäßig Veränderungen: Neue Hängungen, die jüngsten Neuzugänge, Leihgaben kehren zurück, Restaurierungen, neue Assoziationen, Leihgaben… die Präsentation der Sammlungen wird ständig mehr oder weniger neu gestaltet. Auf dieser Seite erhalten Sie regelmäßig Informationen zu den wesentlichen Veränderungen der Galerien des Musée d’Orsay.

Außerordentliche Leihgabe des Puschkin-Museums für Bildende Künste, Moskau

Paul CézanneSelbstporträt© Musée d'Orsay / Sophie Boegly

Dieses Selbstportrait von Cézanne (1882-1885) aus der Schtschukin-Kollektion ist eine außerordentliche Leihgabe des Puschkin-Museums für Bildende Künste in Moskau. Es wird derzeit im Rahmen einer einzigartigen Präsentation in Saal 32 gezeigt, neben einem anderen Selbstportrait des Künstlers aus dem Jahre 1875, das aus dem Bestand des Musée d’Orsay stammt. Ab 13. Juni ist das Werk in der Ausstellung Portraits von Cézanne zu sehen.

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Außerordentliche Präsentation : „Die Verteidigung” von Rodin

Auguste RodinDie Verteidigung© Musée d'Orsay / Eric Jouvenaux
Dieses Werk ist eine doppelte Vergrößerung des Projekts, das Rodin 1879 geschaffen hatte, um mit ca. 100 weiteren Bildhauern an einem Wettbewerb teilzunehmen, der von der Präfektur Paris für ein Mahnmal zur Erinnerung an die Verteidigung von Paris ausgeschrieben wurde. Dieses Werk sollte am Kreisverkehr von Courbevoie aufgestellt werden, wo im Jahr 1870 die Verteidigung von Paris organisiert wurde.

Die Verteidigung zeugt von der Kühnheit, die der Bildhauer bereits zu Beginn seiner Karriere bei der Gestaltung öffentlicher Monumente an den Tag legte. Die allegorische Figur des Krieges zeigt sich mit hochgerissenen Armen, geballten Fäusten und geöffnetem Mund, in einem wilden Schrei verharrend, wie ein verzweifelter Widerhall der Allegorie der Freiheit in der Gruppe Die Marseillaise die 1836 von François Rude für den Triumphbogen in Paris gestaltet wurde.

Als Gegensatz zu dieser den Raum dominierenden Figur sackt der kraftvolle Körper des verletzten Kriegers zuckend in sich zusammen. Das Projekt von Rodin wird in seinem plastischen Ausdruck als brutal sowie zur Verherrlichung der Helden der Verteidigung von Paris als ungeeignet beurteilt und von der Jury des Wettbewerbs abgelehnt.
Allerdings bewahrt der Künstler das Modell auf, stellt es mehrere Male aus, lässt es vergrößern und in mehreren Exemplaren in Bronze gießen.

Der erste Weltkrieg verleiht der Skulptur eine tragische Aktualität, und Die Verteidigung wird schlussendlich vierfach vergrößert, 1919 in Bronze gegossen und 1920 in Verdun aufgestellt.

http://rodin100.org/

Auguste RodinDie Verteidigung© Musée d'Orsay / Eric Jouvenaux

Neuerwerb: „Frühstück mit der Familie” von Vuillard

Lucie Kléné, die Adoptivtochter von Jos und Lucie Hessel ‒ Freunde und Förderer von Vuillard ‒ hat per Testament verfügt, dass das Musée d’Orsay aus der von ihr geerbten Sammlung eines von acht Gemälden von Bonnard und Vuillard auswählen kann. Der Präsident Guy Cogeval entschied sich für das außergewöhnliche Bild von Vuillard: Le Déjeuner de famille dit aussi Le Déjeuner Hessel [Mittagessen mit der Familie oder Hessel Mittagessen].

Das Hessel Frühstück, das die größte französische Vuillard-Sammlung ergänzt, wird in Saal 10 präsentiert. Dieser Neuzugang erfolgte nach der Ankündigung der Hays Schenkung und vor der Präsentation der Gesamtheit der Sammlung von Zeineb und Jean-Pierre Marcie-Rivière .

 

Das Gemälde zeichnet sich in verschiedener Hinsicht aus: durch das autobiografische Sujet, die Komposition und die für die Nabie-Periode Vuillards charakteristische Faktur. Die Szene zeigt die Familie, die der Maler während der 1890er Jahre immer wieder darstellt.

Im Zentrum des Gemäldes erkennt man die Mutter des Künstlers, rechts seine Schwester Marie mit ihrer Tochter Annette. Ihr gegenüber sieht man Ker-Xavier Roussel, Maries Gatten und Vater des Kindes, beim Zeitunglesen.

 

Durch die Panoramaansicht des Hessel Frühstücks kann der Betrachter den Blick über die Komposition schweifen lassen und alle Einzelheiten bewundern. Vuillards Gemälde wird durch vibrierende Farben und eine streng geometrische Komposition geprägt.

Auch die Behandlung des Raums ist erstaunlich, das geschlossene Zimmer kontrastiert mit der Öffnung, die durch die Gemälde an den Wänden bewirkt wird. Durch die Mise en abyme des Bildes im Bild bieten die weiß oder mit hellem Holz gerahmten Gemälde neue Perspektiven. Bei dem Gemälde oberhalb der Mutter des Künstlers könnte es sich um eine nicht identifizierte Straßenszene von Bonnard handeln. Auch das Familienessen rechts könnte von Bonnard stammen.

Diese Arbeit im Raum ausgestellt 10.

 

Edouard VuillardHessel Mittagessen© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

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Restaurierung eines Gemäldes von Cabanel

2015 wurde eine grundlegende Restaurierung am Gemälde Der Tod von Francesca da Rimini und Paolo Malatesta von Cabanel realisiert.

Der unregelmäßige und verunreinigte Firnis, der das Gemälde bedeckte, wurde in der Vergangenheit selektiv reduziert, unter besonderer Berücksichtigung der zentralen Szene. Bei der Restaurierung wurden die Firnisschichten abgetragen, unstimmige Übermalungen korrigiert und Mängel beseitigt.
Dank dieser Interventionen konnte ein verbessertes Verständnis dieser wahren Geschichte erlangt werden, die Dante zu einem Kreis der Hölle in seiner Göttlichen Komödie inspiriert hat. Die Egalisierung des Firnisses restituiert nicht nur den Bildbereich in der richtigen Reihenfolge der Ebenen, sondern auch die prachtvollen Farben der Komposition.

Das restaurierte Gemälde ist derzeit im Erdgeschoss des Musée d'Orsay ausgestellt.

Siehe Kommentar zum Werk..

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Die Malerei im Salon de Paris

Henri GervexSchiedsgericht© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
Galerie Seine
Der Salon de Paris (dt. Pariser Salon) wurde 1699 initiiert und ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Mittelpunkt des Kunstbetriebs und ein wesentliches gesellschaftliches Ereignis, das es den Künstlern ermöglicht, sich einen Namen zu machen. Eine Sitzung der Jury für Malerei von Gervex zeigt die Bedeutung dieses Ereignisses und die Reaktionen der preisverleihenden Jurymitglieder oder der Pressekritiker. Die Sammlungen des Musée d'Orsay spiegeln den offiziellen Kunstgeschmack wider dank zahlreicher Gemälde, die vom Staat nach dem Salon für das Musée du Luxembourg erworben wurden, das der damaligen zeitgenössischen Kunst gewidmet war.

Der Salon galt lange als Aushängeschild des Akademismus – in Wirklichkeit ermöglichte er jedoch die Gegenüberstellung verschiedener experimenteller Kunstrichtungen. Die Künstler übernehmen Themen aus der Antike oder der Bibel und erneuern die traditionellen Formen durch Stil und Komposition, wie z.B. Elie Delaunay, während andere sich an literarischen Thematiken oder prägenden staatsgeschichtlichen Ereignissen inspirieren, wie Jean-Paul Laurens. Diese Gemälde bringen die Innovationen der Avantgarde-Strömungen zum Ausdruck und kündigen durch ihre szenische Darstellung bereits das Kino im Jahrhundert danach an.

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Luxembourg-Säle

Musée d'Orsay - Salle 1© Musée d'Orsay / Sophie Boegly
Die ersten Säle des Besichtigungsrundgangs, die erst kürzlich renoviert wurden, heißen nun "Luxembourg-Säle" - in Erinnerung an ein Museum, das im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle im französischen Kunstbetrieb spielte: das "Musée des artistes vivants" im Palais und der Orangerie du Luxembourg in Paris.

Ab 1818 und bis zur Schaffung eines Museums für Moderne Kunst im Palais de Tokyo 1937 hatte diese Institution den Zweck, einen Teil der Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen, die der Staat lebenden oder mehr als 10 Jahre verstorbenen Künstlern abkaufte, staatlich bestellte Kunst sowie die Schenkungen von Privatpersonen aufzubewahren.
Es handelte sich um das größte Museum für moderne Kunst der Welt: die öffentliche Meinungen erkannte ihm eine Vorreiterrolle zu und die Ehre, seine Werke hier auszustellen, war der Traum zahlreicher Künstler, die zunächst ausschließlich aus Frankreich stammten. Anschließend nahm das Museum ab 1860 nach und nach die Werke ausländischer Künstler auf. In der Tat hegte ein Künstler nach seiner Aufnahme im Musée du Luxembourg die Hoffnung, dass seine Werke eines Tages im prestigeträchtigen Musée du Louvre - dem Pantheon der Künstler - Einzug halten würden.

Musée d'Orsay - Salle 4© Musée d'Orsay / Sophie Boegly
Auch wenn einigen Reformern der Malkunst wie Delacroix, Rodin, Ingres oder auch Gustave Moreau dieses Privileg relativ früh innerhalb ihrer Laufbahn zuteilwurde, so wagte die öffentliche Verwaltung nicht, alle avantgardistischen Strömungen ihrer Zeit auszustellen: Künstlern wie Courbet, Millet, Manet, Lautrec oder Van Gogh blieb die Aufnahme ihrer Werke in die Sammlungen des Musée du Luxembourg zeitlebens verwehrt.
Ab den 1870er Jahren wurden die Kritiken immer lauter. Dem Museum wurde vorgeworfen, originellen Talenten ablehnend gegenüber zu stehen und sich hinter einer offiziellen akademischen Kunst zu verbarrikadieren. Gauguin, der ebenfalls ausgeschlossen war, verachtete das Musée du Luxembourg als ein "riesiges Gefängnis, ein vorgeschriebenes Bordell".

Man sollte allerdings nicht den Einfluss aufgeklärter Museumsleiter wie Philippe de Chennevières oder Léonce Bénédite außer Acht lassen, sowie die Initiative wichtiger Spender wie Gustave Caillebotte, Isaac de Camondo, Etienne Moreau-Nélaton und Alfred Chauchard, die diese Mängel gezielt ausgleichen konnten und Maler wie Barbizon, Manet und die Impressionisten in die staatlichen Sammlungen einführten. Die derzeitige Sammlung des Musée d'Orsay ist das Erbe dieser Geschichte.

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Glasmalereien von Gauguin


Paul GauguinTahitianerin in einer Landschaft© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Daniel Arnaudet
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1986 war es dem Musée d'Orsay bisher nicht möglich gewesen, zwei Werke von Gauguin, die zu seinen Sammlungen gehören, auszustellen. Es handelt sich um zwei Glasmalereien, die aufgrund ihres Erhaltungszustands und in Ermangelung angemessener Ausstellungsflächen nicht präsentiert werden konnten. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten kann der Besucher die Werke nun endlich in eigens angefertigten Schaukästen bewundern.

Florale und pflanzliche Motive und Tahitianerin in einer Landschaft entstanden 1893, als sich Gauguin nach seinem ersten Polynesienaufenthalt in Paris niederließ. Er setzte seine dekorativen Recherchen fort, die er gegen Ende 1880 mit der Bemalung der Fenster der Pension von Marie Henry in Le Pouldu und 1892mit den Fenstern eines Hauses auf Tahiti eingeleitet hatte.
Paul GauguinFlorale und pflanzliche Motive© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Daniel Arnaudet

Vermutlich wollte er mit diesen beiden Landschaften, die er in Paris auf die Glastüren seines Ateliers in der Rue Vercingétorix malte, seiner Umgebung eine exotische Note verleihen. Als der Künstler 1895 zu seiner letzten Reise aufbricht, werden die Fenster vor Ort bleiben und erst 1905 eingelagert. Ihre letzte Eigentümerin, die Witwe des amerikanischen Malers Harold English, wird sie 1958 den französischen Museen schenken.

Die Präsentation dieser Werke ist ein großer Augenblick, denn die Arbeiten, die zum ersten Mal das Depot verlassen, zeugen von dem zentralen Anliegen des Künstlers. In einem Brief an seinen Freund Daniel de Monfreid schreibt Gauguin: „die einfache Glasmalerei, die sich durch ihre Vielfalt an Farben und Formen auszeichnet, ist immer noch am schönsten”.

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