Das Museum verändert sich

Die Säle eines großen Museums unterliegen regelmäßig Veränderungen: Neue Hängungen, die jüngsten Neuzugänge, Leihgaben kehren zurück, Restaurierungen, neue Assoziationen, Leihgaben… die Präsentation der Sammlungen wird ständig mehr oder weniger neu gestaltet. Auf dieser Seite erhalten Sie regelmäßig Informationen zu den wesentlichen Veränderungen der Galerien des Musée d’Orsay.

Pierre-Auguste Renoir : "Der musikalische Clown" Säl 14

Sonderpräsentation : Der musikalische Clown von Pierre-Auguste Renoir


Auguste RenoirLe clown musical© Kröller-Müller Museum
Als Modell für dieses eindrucksvolle Porträt, das sich durch die detaillierte Wiedergabe des geschminkten Gesichts und des Kostüms auszeichnet, diente vielleicht James Bollinger Mazutreek, ein berühmter Geige spielender Clown, der in den Zirkusvorstellungen auftrat, die Renoir gern besuchte.
Auffallend sind insbesondere die Dimensionen, die an die aristokratischen Porträts von Velásquez erinnern. Das Gemälde soll eine Auftragsarbeit für den Eigentümer des Cafés, das sich neben dem Cirque Napoléon in Paris (dem heutigen Cirque d’hiver) befand, gewesen sein.

Die klar gezeichneten Konturen, durch die sich die Silhouette des Clowns von der Manege abhebt, sind recht ungewöhnlich für Renoirs Werke jener Epoche. Die flüchtige Darstellung der Brüstung und der Zuschauerreihen erklären sich vielleicht dadurch, dass das Werk die Wirkungskraft eines Aushängeschildes haben sollte.
Von Helene Kröller-Müller 1919 erworben

Mit der Vereinfachung der Formen, der kühnen Ausführung und der realistischen Darstellung folgt er auch dem Vorbild Manets, dessen Fifre [Querpfeifer] (1866, Musée d'Orsay) damals mit einer Spielkarte verglichen wurde. Doch Der Clown ist vor allem einem anderen Gemälde von Manet nachempfunden, das Renoir sehr bewunderte: Mademoiselle V. en costume d'espada [Fräulein V. im Kostüm eines Espada] von 1862 (New York, The Metropolitan Museum of Art).

Renoir erneuerte die Malerei seiner Epoche dadurch, dass er Szenen des Pariser Alltagslebens als Motiv wählte: Wie Degas, Toulouse-Lautrec, Seurat oder Picasso, Hopper oder Fellini im folgenden Jahrhundert interessiert er sich für Unterhaltung und Zirkus.
Renoir inszeniert auf diesem Gemälde nicht das Vergnügen und die Begeisterung für die Darbietung, er zeigt einen Clown, der nachdenklich inmitten der starren, distanzierten Zuschauer steht. Diese desillusionierte Sichtweise blickt auf eine lange Tradition in der Malerei, Literatur und auch im Kino zurück, wo der Gaukler zur Metapher für die Stellung des Künstlers und das Schicksal des Menschen wird.

Dieses Gemälde ist eine Leihgabe des Kröller-Müller Museums von Otterlo (Niederlande), wo zur gleichen Zeit Cirque [Zirkus] von Seurat (Musée d’Orsay) präsentiert wird.
Das 1938 von Helene Kröller-Müller (sie hatte 1919 Le Clown gekauft) gegründete Museum besitzt weltweit eine der größten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst, darunter befinden sich unter anderem herausragende Werke von Van Gogh, Seurat, Signac, Picasso, Léger oder Mondrian.

Hängung "Symbolistische Landschaften"

Erdgeschoss, Saal 8

Accrochage "Symbolistische Landschaften"© Musée d'Orsay / Sophie Boegly

Eröffnung der neuen „Luxembourg-Säle”

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Thamar von Alexandre Cabanel


Alexandre Cabanel, ein akademischer Maler, der im Zweiten Kaiserreich große Triumphe feierte, wandte sich dem Beispiel Henri Regnaults folgend um 1870 der orientalistisch inspirierten Romantik zu.
Die Szene ist einer Episode aus dem Alten Testament entnommen, wo sich die Kinder des Königs David gegenseitig zerfleischen: Thamar wurde von ihrem Bruder Amnon vergewaltigt und flüchtet zu ihrem anderen Bruder Absalom, der Rache schwört. Die theatralische Geste des grimmigen Absalom bildet einen Kontrast zu Thamars Sinnlichkeit, sie verweist auf das Universum von Byron; die im Überfluss vorhandenen glänzenden Stoffe und Kleinode erinnern an Delacroix, dessen Frauen aus Algier (1834, Louvre) durch die schwarze Dienerin im Halbschatten rechts aufgegriffen wird.

Das Gemälde wurde auf dem Salon von 1875 vom Staat für das Musée des artistes vivants [Museum lebender Künstler] im Palais du Luxembourg erworben und war seit 1927 im Musée des Beaux-Arts Jules-Chéret in Nizza ausgelagert. Es wurde 2012 restauriert und ist von nun an im Musée d’Orsay ausgestellt.

Alexandre CabanelThamar© Musée d'Orsay / Sophie Boegly

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Glasmalereien von Gauguin


Paul GauguinTahitianerin in einer Landschaft© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Daniel Arnaudet
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1986 war es dem Musée d'Orsay bisher nicht möglich gewesen, zwei Werke von Gauguin, die zu seinen Sammlungen gehören, auszustellen. Es handelt sich um zwei Glasmalereien, die aufgrund ihres Erhaltungszustands und in Ermangelung angemessener Ausstellungsflächen nicht präsentiert werden konnten. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten kann der Besucher die Werke nun endlich in eigens angefertigten Schaukästen bewundern.

Florale und pflanzliche Motive und Tahitianerin in einer Landschaft entstanden 1893, als sich Gauguin nach seinem ersten Polynesienaufenthalt in Paris niederließ. Er setzte seine dekorativen Recherchen fort, die er gegen Ende 1880 mit der Bemalung der Fenster der Pension von Marie Henry in Le Pouldu und 1892mit den Fenstern eines Hauses auf Tahiti eingeleitet hatte.
Paul GauguinFlorale und pflanzliche Motive© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Daniel Arnaudet

Vermutlich wollte er mit diesen beiden Landschaften, die er in Paris auf die Glastüren seines Ateliers in der Rue Vercingétorix malte, seiner Umgebung eine exotische Note verleihen. Als der Künstler 1895 zu seiner letzten Reise aufbricht, werden die Fenster vor Ort bleiben und erst 1905 eingelagert. Ihre letzte Eigentümerin, die Witwe des amerikanischen Malers Harold English, wird sie 1958 den französischen Museen schenken.

Die Präsentation dieser Werke ist ein großer Augenblick, denn die Arbeiten, die zum ersten Mal das Depot verlassen, zeugen von dem zentralen Anliegen des Künstlers. In einem Brief an seinen Freund Daniel de Monfreid schreibt Gauguin: „die einfache Glasmalerei, die sich durch ihre Vielfalt an Farben und Formen auszeichnet, ist immer noch am schönsten”.

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Ein Schaukasten ist dem „Stile Liberty” gewidmet


Carlo BugattiPsyche© Musée d'Orsay / Sophie Boegly
Der große Schaukasten am Eingang von Saal 65 auf der mittleren Ebene des Museums ist dem italienischen Jugendstil, „Stile Liberty”, gewidmet. Er präsentiert ein einzigartiges Werkensemble, das jüngst durch einige herausragende Stücke ergänzt wurde.

Die italienische angewandte Kunst blickt zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine große künstlerische und handwerkliche Tradition zurück. Sie ist Ausdruck des Fortschritts der erst kurz zuvor vereinten Nation. Der italienische Jugendstil, der „Stile Liberty” oder „Stile florale” heißt, erreicht 1902 auf der Weltausstellung für angewandte Kunst in Turin internationale Anerkennung: berühmte Möbeldesigner wie Eugenio Quarti, Ernesto Basile, Carlo Zen und Carlo Bugatti präsentieren ihre Werke.
Ihre Vorliebe für geschwungene, der Natur nachempfundene Linien, die sich bisweilen durch ihre Exotik auszeichnen, zeigen Parallelen zu den Tendenzen, die in jener Epoche in ganz Europa verbreitet sind. Ein herausragendes Beispiel für diese Kunst ist Carlo Bugattis Stuhl, den er für einen der von ihm ausgestatteten Räume entworfen hatte und der in Turin ausgestellt wurde. Dieser „Spiel- und Konversastionsraum” ist die Nachbildung eines Schneckenhauses in Menschengröße, der deswegen den Namen „camera a chiocciola" („Schneckenzimmer”) erhielt. Andere italienische Designer suchen nach neuartigen, originellen Ausdrucksformen. Das Arbeitszimmer für die Villa von Federico Tesio in Dormelletto (Novara) am Lago Maggiore, wo Letzterer sein Gestüt für Vollblüter ansiedelt, ist einzigartig in der Geschichte des italienischen Stile Liberty.

Vittorio ZecchinTausend und eine Nacht, Ausschnitt© ADAGP - Musée d'Orsay / Sophie Boegly
Auch das Gemälde Tausend und eine Nacht des venezianischen Künstlers Vittorio Zecchin zählt zu den bedeutendsten Arbeiten der italienischen dekorativen Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es gehört zu dem elfteiligen Bilderzyklus, der 1914 für den Speisesaal des Hotels Terminus in Venedig geschaffen wurde.
Der prunkvolle Zug von Prinzessinnen und Kriegern, die Aladins Gattin huldigen, zeichnet sich durch seine prächtige Farbgebung aus, die durch die Verwendung von goldenen Pünktchen noch unterstrichen wird. Der Einfluss von Klimt ist zwar offensichtlich, doch Vittorio Zecchins Kunst geht auf die venezianische Tradition, die Werke Vivarinis, die Mosaike und Glasfenster der Lagunenstadt zurück.

Schaukasten „Stile Liberty"© Musée d'Orsay / Sophie Boegly

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Neuzugänge: Von Stuck, Ranson

Die Hängung in der neuen symbolistischen Galerie im Erdgeschoss präsentiert die beiden jüngsten Neuerwerbungen: Die Vertreibung aus dem Paradies des deutschen Malers Franz von Stuck (1863-1923) und Hexe mit schwarzer Katze von Paul Ranson (1861-1909).
Stucks Gemälde, auf dem die menschlichen Emotionen ganz besonders zum Tragen kommen, stellt die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden dar. Die moralische Dimension des Bildes ist charakteristisch für die symbolistische Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Doch es markiert auch den Übergang zur zeitgenössischen Kunst, denn Vassily Kandinsky, ein Schüler Stucks zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dient es als Inspirationsquelle für seine Studie für Improvisation 8 (1909), die eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Abstraktion darstellt.

Von 1891 bis zu seinem Lebensende führt Paul Ranson eine Reihe von esoterischen Werken aus, in denen immer wieder die Figur der Hexe auftaucht. Diese Hexe mit schwarzer Katze, die von kabbalistischen Symbolen und Schattenspielen umgeben ist, mutet äußerst geheimnisvoll an. Man fragt sich, ob die sie umgebenden Formen ihre unheilvollen Kräfte veranschaulichen oder ob sie von Alpträumen heimgesucht wird. Die Komposition entspricht den ästhetischen Prinzipien der Nabis – Arabesken, scharfe Konturierung, synthetische Farbflächen – und verweist auf die Vorliebe dieser Maler für dekorative Formen.

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Neuzugang: Die Holzfäller von Daumier

Seit seiner Gründung im Jahr 1980 wurden die Sammlungen dank der Unterstützung des Fördervereins Freunde des Musée d’Orsay ständig bereichert. Anlässlich des 25. Geburtstags des Museums stellte der Verein einmal mehr seine Großzügigkeit unter Beweis und stiftete Die Holzfäller (Öl auf Holz) von Honoré Daumier aus dem Jahr 1855.
Dieser Entwurf steht in enger Verbindung zu dem Die Schnittholzsäger (London, Victoria and Albert Museum) von Jean-François Millet, dessen Komposition Daumier bis auf einige Details übernahm. Das Bild ist ein beredtes Zeugnis für die Beziehung, die die beiden Künstler um 1850 unterhielten, als sie in Paris und Barbizon miteinander verkehrten.
Die Holzfäller werden in Saal 4, der Daumier gewidmet ist, präsentiert. Sie können nun der Wäscherin gegenübergestellt warden, auf der auch eine Vertreterin der Arbeiterklasse zu sehen ist. Dieses Motiv stand von 1850-1860 im Zentrum des Interesses des Malers.

Honoré DaumierLes Bûcherons© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

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Absinthtrinkerin von Picasso wird als Leihgabe im Musée d’Orsay ausgestellt

Pablo Picasso wird zwar im Musée de l’Orangerie ausgestellt, doch er gehört normalerweise nicht zu den Künstlern, die in den ständigen Sammlungen des Musée d’Orsay präsentiert werden. Angesichts ihrer herausragenden Qualität ist diese Leihgabe, die neben anderen Gemälden zu sehen ist, ein großes Ereignis.
Die Absinthtrinkerin (1901) hängt neben anderen Unterhaltungsszenen wie Tanzveranstaltungen, Bordellszenen, Porträts von Toulouse-Lautrec, Boldini oder Anquetin in dem Saal, der dem Pariser Leben (Erdgeschoss, Saal 10) gewidmet ist. Sie offenbart welch Faszination die Bohème der französischen Hauptstadt auf zahlreiche Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts ausübte. Ferner bietet sie dem Publikum die einmalige Gelegenheit, die Absinthtrinkerin von Picasso der von Degas gegenüberzustellen, die in der impressionistischen Galerie präsentiert wird.

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Ein Historiengemälde: Der Prévôt des marchands Etienne Marcel und der Dauphin Karl

Ein Teil der Galerie Seine im Erdgeschoss des Musée d’Orsay ist den von Erfolg gekrönten Gemälden des Salons gewidmet, der einmal im Jahr von der Académie des Beaux-arts organisiert wurde. Für seine Einsendung an den Salon von 1879 wählt Lucien Mélingue eine Episode der politischen Konflikte, die Frankreich während des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) in Aufruhr versetzten.
Am 22. Februar 1358 stürmte Etienne Marcel, der Prévôt des marchands de Paris, gefolgt von 3000 Mann den Palais de la Cité, um die Interessen der Kaufleute der Bürgerschaft wahrzunehmen. Vor den Augen des Dauphin (1338-1380), des zukünftigen Königs Karl V., der nach der Gefangennahme von König Johann II. dem Guten durch die Engländer (1356) die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, erschlugen sie die Marschälle der Champagne und der Normandie. Mélingue stellt den Augenblick dar, als Etienne Marcel das Leben des Thronfolgers rettet, indem er symbolisch ihre beiden Mützen austauscht. Der Dauphin trägt nun die Farben der Stadt Paris – Rot und Blau -, während der Prévôt als Garant der königlichen Macht die Lilie zur Schau trägt.

Das Gemälde wurde vom Staat erworben und zunächst im Musée du Luxembourg, dann im Louvre und in der Folge viele Jahre im Musée de Beaune präsentiert. Dieses Historiengemälde, das im 19. Jahrhundert großen Anklang beim Publikum gefunden hatte, ist nun in den Sammlungen des Musée d’Orsay zu sehen.

 

Lucien MélingueDer Prévôt des marchands Etienne Marcel und der Dauphin Karl© RMN-GP (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

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