


Doch seit Ende Juni bietet das Hauptschiff den Besuchern einen neuen Anblick, denn nun eröffnet ein verkleinertes Modell der Freiheitsstatue des französischen Bildhauers Auguste Bartholdi (1834-1904) den Museumsrundgang.
Dem Platz, den diese weltberühmte Ikone, das bekannteste Symbol Amerikas, am Eingang des Musée d’Orsay einnimmt, kommt eine zweifache Bedeutung zu, denn es handelt sich um eines der wichtigsten Kunstwerke des 19. Jahrhunderts, das sich überdies durch seine universelle Dimension auszeichnet.
Der junge Bartholdi wird mit der Ausführung der Skulptur beauftragt, die komplett durch private Gelder finanziert wird. Der Künstler reist nach New York und stellt sein Projekt vor, für das ihm der Koloss von Rhodos als Vorbild dient. Das erste Werkteil – die Hand mit der Fackel – wird 1876 auf der Weltausstellung von Philadelphia präsentiert. Der Kopf der Statue wird 1878 auf der Weltausstellung von Paris zu sehen sein, wo er zu den meist besuchten Attraktionen zählt.
Mit der endgültigen Montage wird 1884 begonnen und nach und nach erhebt sich der 46 Meter hohe Koloss über der Plaine de Monceau. Man stelle sich vor, dass man einige Wochen lang im Herzen von Paris die berühmte Freiheitsstatue bewundern konnte! Die Einzelteile werden Anfang 1885 zerlegt und in rund zweihundert Kisten verpackt über den Atlantik geschickt, wo sie am 19. Juni 1885 ankommen. Jetzt fehlt nur noch der Sockel, dessen Bau sich etwas verzögert hatte, da New York die erforderlichen Mittel noch nicht aufgebracht hatte. Letztendlich wird der Sockel bis zum Frühling 1886 fertig und am 28. Oktober desselben Jahres eingeweiht.
Da sich derzeit noch kein einziges seiner Werke im Musée du Luxembourg befindet, bietet Bartholdi an, sie gegen Erstattung der Gusskosten dem Museum zu überlassen. Sein Vorschlag wird angenommen, doch aus Platzmangel können seine Skulpturen erst ab 1905, nach dem Tod Bartholdis, ausgestellt werden. Die Witwe des Bildhauers regt an, die Freiheit im Park vor dem Museum aufzustellen. Dort wird sie 115 Jahre lang, von 1906 bis 2011 bleiben, bis der Senat, der Eigentümer des Jardin du Luxembourg, sich einverstanden erklärt, das Werk dem Musée d’Orsay zu übergeben.