Victor-Marie-Charles Ruprich-Robert
Eschenknospen

Eschenknospen
Victor Ruprich-Robert (1820-1887)
Eschenknospen
Zwischen 1866 und 1876
Bleistift
H. 32; B. 24,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Bourgeons de frêne [Eschenknospen]


Von 1866 bis 1876 veröffentlicht Ruprich-Robert ein grundlegendes Werk mit dem Titel: Flore Ornementale. Essai sur la composition de l'ornement. Eléments tirés de la nature et principes de leur application [Pflanzenornamente. Essay über die Komposition des Ornaments. Natürliche Elemente und Prinzipien ihrer Verwendung.] Dieses Buch ist das Ergebnis von zwanzig Jahren Unterricht über die Komposition des Ornaments an der Ecole gratuite de dessin de Paris (kostenfreie Zeichenschule von Paris). Die 1766 gegründete Schule, widmet sich der auf Mechanik und Industrie angewandten Zeichenkunst und wird 1877 zur Ecole Nationale des Arts Décoratifs [Nationale Schule für dekorative Künste].

Ruprich-Robert ist der Nachfolger von Viollet-le-Duc und unterrichtet von 1850 bis 1887. Er vermittelt seinen Schülern einiges Basiswissen in Kunstgeschichte, Archäologie und Botanik. Dann befasst er sich mit der Ornamentik eines gegebenen Objekts, Vase, Rosette, Fries, Möbelstück, bevor er zur schöpferischen Anwendung übergeht. Die Vorträge werden durch freihändige Zeichnungen mit schwarzer Temperafarbe und Bleiweiß illustriert. Diese Studien bilden dann die Grundlage für die Pflanzenornamente. Er ist nicht der Einzige, der sich für Pflanzen interessiert. Seit dem Beginn des Zweiten Kaiserreichs erscheinen zahlreiche, sehr naturalistische Bücher, die wahre „Pflanzenporträts“ anbieten. Auch die Fotografie spielt eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der Modelle. Der Wegbereiter ist Adolphe Braun, Fabrikzeichner in Mulhouse, der 1850 einen Sammelband mit 300 Blumenaufnahmen herausgibt. 1856 veröffentlicht Owen Jones seine eindrucksvolle Grammar of Ornament [Grammatik der Ornamentskunst], deren Beispiele fast alle Monumenten oder Manuskripten, nicht aber der Natur entnommen sind.

Die Flore ist in vier Teile gegliedert und geht vom Einfachen zum Komplexen: Blätter, Knospen, Blüten und Kompositionen. Der Architekt schlägt vor, die Pflanzen unter Berücksichtigung ihrer Anatomie symmetrisch darzustellen, um Ornamentsmotive aus ihnen zu machen. Architekten, Maler, Bildhauer, Ornamentisten und „Industriekünstler“ haben aus diesem Buch, dessen Originalzeichnungen das Museum alle besitzt, ihre Inspirationen geschöpft.




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