Eugène Viollet-le-Duc
Architekturfragment aus Pompeji

Baufragment aus Pompeji für Histoire d'un dessinateur
Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879)
Baufragment aus Pompeji für Histoire d'un dessinateur
Undatiert
Bleistift und Aquarell
H. 17; B. 10,8 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais

Fragment d'architecture pompéienne pour "Histoire d'un dessinateur" [Architekturfragment aus Pompeji für „Histiore d’un dessinateur”]


Nach dem Krieg von 1870 engagiert sich Viollet-le-Duc im öffentlichen Leben. Er widmet sich insbesondere einer Reihe von Werken, die für ein breites Publikum bestimmt sind und seine Weltanschauung verbreiten sollen, in der Kunst und Gesellschaft eng miteinander verbunden sind. Der letzte Band dieser Serie, Geschichte eines Zeichners, wie lernt man das Zeichnen (1879), erzählt, wie Herr Marjorin den kleinen Jean im Zeichnen und in der Kunst unterrichtet.

Die Erzählung ist im doppelten Sinne autobiografisch, da ihm sowohl für den Schüler als auch für den Lehrer sein eigenes Leben als Inspirationsquelle dient. Die Italienreise, die Marjorin und der kleine Jean in Kapitel XVI unternehmen, zeigt große Ähnlichkeit mit Viollet-le-Ducs Aufenthalt von 1836-1837. Auch die Illustrationen sind Reminiszenzen an die Reise des Architekten. Für dieses Architekturfragment von Pompeji, Abbildung 93 in Histoire d'un dessinateur, dient eine Malerei aus Pompeji als Vorbild, die im Museum von Neapel aufbewahrt wird und die Viollet-le-Duc gewiss im Laufe seiner Reise gesehen hat. Er gibt hier jedoch eine veränderte Sichtweise, da er nur ein dekoratives Detail eines Bauelements darstellt. Er vereinfacht es zudem so sehr, dass das polychrome Dekor sowohl von einer mittelalterlichen Kirche als auch von einer Villa aus Pompeji stammen könnte.
Anhand dieser Zeichnung führt Marjorin dem kleinen Jean eines der wichtigsten Prinzipien seiner rationalistischen Denkweise vor Augen, nämlich dass „die Malerei stets dazu eingesetzt wird, um die Architektur zur Geltung zu bringen”.




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