Eugène Viollet-le-Duc
Haus, Eisenstruktur

Haus mit Eisenstruktur und Fayence-Verkleidung
Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc (1814-1879)
Haus mit Eisenstruktur und Fayence-Verkleidung
1871
Bleigriffel, Feder und Aquarell
H. 48 ; B. 37 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Maison à pans de fer et revêtements de faïence [Haus, Eisenstruktur und Fayence-Verkleidung]


Diese Zeichnung, die Viollet-le-Duc 1872 in seinen berühmten Entretiens sur l'architecture veröffentlichte, ist ein Mythos, eine regelrechte Ikone der Architektur geworden. Die Entretiens, die zwischen 1863 und 1872 veröffentlicht werden, gelten als der Ursprung der modernen Architektur und sind die Bibel von Architekten wie Horta, Guimard, Gaudi und Sullivan. Im 18. Entretien (1872), das privaten Bauwerken gewidmet ist, schildert Viollet-le-Duc eine tragende Metallstruktur, wie die der Schokoladenfabrik Menier, die Jules Saulnier 1871/1872 in Noisiel (Seine-et-Marne) errichtete.
Viollet-le-Ducs Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass dieses System für ein Wohnhaus bestimmt ist und die Struktur an der Fassade sichtbar überstehen sollte. Durch die leichte Polychromie kommen die Fassade und das Raster verstärkt zur Geltung, die Eisenstützen und die Struktur werden hervorgehoben. Anliegen des Architekten war es, dass die Struktur in den Dekor übergeht. Wenige Monate nach dem Niedergang des Zweiten Kaiserreichs bietet er hiermit eine Alternative zu der Ästhetik Hausmanns. Der Präfekt war für eine Stadtplanung bestehend aus einheitlich großen Bauten aus Stein, geraden Fluchtlinien ohne Vorkragungen, ein Minimum an Dekor. Dieses Projekt zeichnet sich jedoch durch seine Volumina, seine Farben und Materialien aus. Es wurde als Fantasiewerk präsentiert, mutet jedoch angesichts der Sorgfalt, die auf die Darstellung der jungen Frau und des Schaufensters verwandt wurden, äußerst realistisch.

Viollet-le-Duc erklärt angesichts dieser Studie: „Ich maße mir nicht an, dieses Fragment als ein Modell für zukünftige Mietshäuser, als Zukunftsarchitektur zu präsentieren sondern als Studie, die nichts mit dem gemein hat, was uns die moderne Industrie, die sich mit der Kunst des Bauens beschäftigt, bietet.” In der Folge werden sich die auf Vereinheitlichung angelegten Gesetze ändern. Die Projekte der Brüder Perret (Gebäude Nr. 25 bis, rue Franklin, 1903-1904), von Frantz Jourdain (Laden der Nr. 2 der Samaritaine, 1903-1907) und von Henri Sauvage (Gebäude der Nr. 26, rue Vavin, 1912-1913) sind ein beredtes Zeugnis dafür, dass dreißig Jahre später Viollet-le-Ducs Ideen triumphieren sollten.




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