François Garas
Künstlerinterieur

Künstlerinterieur, Schnittzeichnung des Arbeitszimmers
François Garas (1866-um 1925)
Künstlerinterieur, Schnittzeichnung des Arbeitszimmers
1896
Bleistift, Feder und Tinte, Aquarell und Gouache
H. 62; B. 47 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewanowski

Intérieur d'artiste, coupe sur le cabinet de travail [Künstlerinterieur, Schnittzeichnung des Arbeitszimmers]


François Garas ist ein rätselhafter Architekt, dessen künstlerischem Pantheon sowohl Baudelaire und Edgar Poe als auch John Ruskin, Richard Wagner, Jean Carriès oder Edouard Manet zuzurechnen sind. Nachdem er 1894 sein Diplom erhalten hat, stellt er bis 1914 auf dem Salon de la Société nationale des Beaux-arts regelmäßig utopische Architekturentwürfe aus. Seine Karriere beginnt mit der Ausstellung Impressions d'architectes bei Le Barc de Bouteville im Jahr 1896, wo er neben seinen jüngeren Kollegen Henri Sauvage, Henry Provensal und Gabriel Guillemonat präsentiert wird. Diese Veranstaltung, zu der der Architekt Frantz Jourdain einen sehr kritischen Katalog herausgibt, will „der geistigen Versklavung durch die ausschließliche Beschäftigung mit der griechischen und römischen Architektur und durch die italienische Renaissance” ein Ende setzen. Diese Zeichnung wird dort präsentiert und im gleichen Jahr wird sie auch von der Société nationale des Beaux-arts gemeinsam mit anderen Werken unter dem Titel Künstlerinterieurs ausgestellt.
Garas präsentiert ab 1897 auf dem Salon immer unwirklicher anmutende Projekte von „Tempeln für zukünftige Religionen”, die Beethoven, Wagner, dem Leben, dem Tod oder der Philosophie gewidmet sind. Während seine früheren Kollegen Sozialwohnungsbauten entwerfen, bleibt Garas seinen Traumgebilden treu und gerät in Vergessenheit, ohne eines seiner Projekte zu realisieren.
Dieses unwirklich anmutende Arbeitszimmer erinnert eher an das Labor eines Alchimisten. Es gibt eine gute Vorstellung von der um 1900 vorherrschenden esoterischen Strömung in der Architektur.




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