Eugène Viollet-le-Duc
Der Neptuntempel in Paestum

Der Neptuntempel in Paestum
Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879)
Der Neptuntempel in Paestum
1836
Bleigriffel, Feder und Tinte, Lavierung mit Tinte
H. 29; B. 47,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Michèle Bellot

Le temple de Neptune à Paestum [Der Neptuntempel in Paestum]


Diese Lavierung vom 24. Juli 1836 stellt den Neptuntempel dar, der heute Hera zugeschrieben wird. Es handelt sich hier um den eindrucksvollsten und besterhaltenen Tempel der griechischen Stadt Paestum, die 600 v. Chr. in Süditalien gegründet worden war. Schon seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekunden die Architekten großes Interesse für die Überreste von Paestum, die Zeugnis von der griechischen Architektur auf römischem Boden ablegen. Der Neptuntempel war 1829 Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen gewesen, als Henri Labrouste eine Restaurierung des Tempels vorlegte, die nicht mit den Erkenntnissen übereinstimmte, zu denen Ende des 18. Jahrhunderts Claude Mathieu de Lagardette gekommen war. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass sich Viollet-le-Duc eingehend mit dem Bauwerk befasste. Bei dieser Zeichnung handelt es sich nicht um eine Architekturstudie, sondern um eine romantisch und malerisch anmutende Ansicht, die die Stimmung des Ortes wiedergibt. Im Vordergrund sieht man eine kleine Figur, die die typische Kleidung der Bauern trägt.

Die Ansicht ist recht ungewöhnlich: zwei Säulen umrahmen den Raum im Vordergrund, dann wird der Blick des Betrachters durch die Perspektivdarstellung ins Innere geführt. Das Bauwerk zeichnet sich dadurch aus, dass der Naos (Innen- und Hauptraum des Tempels) zwei Ebenen umfasst. Auf der Zeichnung tritt dies gut zutage, denn man kann die übereinander stehenden Säulen auf einem Teil des inneren Säulenhofs deutlich erkennen. Zwischen diesen beiden Reihen befand sich im Herzen des Tempels die Cella, der Bereich, der der Statue der Gottheit gewidmet war.
Obwohl Viollet-le-Duc im Gegensatz zu anderen Stipendiaten der Villa Medici keine Gelegenheit hatte, nach Griechenland zu reisen, bewunderte er zeitlebens die griechische Kunst, die sich durch ihre Rationalität und Harmonie auszeichnet.

Siehe auch den Kommentar zum Aufriss der restaurierten Fassade des Neptuntempels von Viollet-le-Duc.




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