Raoul Brandon
Pariser Gebäude

Pariser Gebäude, Ecke Avenue du Maine und Rue Mouton-Duvernet
Raoul Brandon (1878-1941)
Pariser Gebäude, Ecke Avenue du Maine und Rue Mouton-Duvernet
1913
Tinte, Aquarell und Höhungen mit Gouache
H. 94; B. 128 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Gebäude Nr. 172, Avenue du Maine und 33, Rue Mouton-Duvernet, Paris 14e
Gebäude Nr. 172, Avenue du Maine und 33, Rue Mouton-Duvernet, Paris 14e

Immeuble parisien, angle de l'avenue du Maine et de la rue Mouton-Duvernet [Pariser Gebäude, Ecke Avenue du Maine und Rue Mouton-Duvernet]


Der Erlass vom 13. August 1902 bezüglich der neuen Vorschriften zur Konstruktion von Gebäuden in Paris ist ein weiterer Schritt (nach den Verordnungen von 1882 und 1884) zur Auflockerung der einförmigen Fluchtlinien, die Haussmann eingeführt hatte. Diese Maßnahme gibt den Architekten mehr Freiheit, sie ermöglicht geschwungene Linien und unterbrochene Fassaden, vorkragende Balkone und Fenstererker. Raoul Brandon macht sich diese Möglichkeiten bei den zahlreichen Mietshäusern, die er in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg baut, zunutze.
Die Baugenehmigung für die Nummer 172 Avenue du Maine wird am 2. Januar 1912 ausgestellt. Anhand der Inschrift auf der Fassade kann man ersehen, dass für den Bau Raoul und sein Bruder Daniel Brandon verantwortlich zeichnen. Das Gebäude ist ein beredtes Zeugnis für Brandons Prinzipien, die er dank des neuen Erlasses umsetzen kann: die Fassade wird vertikal durch Risalite, Ochsenaugen, Vordach und horizontal durch auf Kragstein gestützte Balkone im ersten Stock und eine weitläufige Loggia entlang des vierten Stockwerks rhythmisch gegliedert. Die oberen Stockwerke liegen leicht zurückversetzt, wodurch die Loggia verstärkt zur Geltung kommt. Das Gebäude zeichnet sich auch durch die Ecklage aus, sie unterstreichen die Loggia und die Arkaden, die an die Holzkonstruktion regionalistischer Häuser erinnern. Anhand einer Heliogravüre, die im Musée d’Orsay aufbewahrt wird, ist ersichtlich, dass das obere Rundbogenfenster an der Ecke ursprünglich von einer Kuppel überragt wurde.

Brandon verwendet Stahlbeton, eine der neuesten Bautechniken, und gestaltet die Fassade in einem leicht klassisch anmutenden Art Nouveau Stil. Der reichhaltige Skulpturenschmuck im Art Nouveau Stil (auf der Fassade sieht man die Signatur des Bildhauers Binaux) zeigt Blumen, Früchte und Maskengesichter. Wie die meisten Architekturzeichnungen wurde auch diese mit großer Sorgfalt angefertigt, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben kann. Die Menschen und Wagen vor dem Gebäude zeugen von der außergewöhnlichen Lage des Hauses in einem der belebtesten Viertel der modernen Hauptstadt, in der Nähe von Montparnasse.




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