Gaston Redon
Phantasielandschaft

Phantasielandschaft: Türme und Turmspitzen in Wolken gehüllt
Gaston Redon (1853-1921)
Phantasielandschaft: Türme und Turmspitzen in Wolken gehüllt
1893
Feder, schwarze und rote Tinte, mit schwarzer Tinte laviert
H. 24,6 ; B. 18,6 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Paysage fantastique: tours et flèches enveloppées de nuages [Phantasielandschaft: Türme und Turmspitzen in Wolken gehüllt]


Gaston Redon ist der Bruder des Malers Odilon Redon. 1883 erhält er den Grand Prix de Rome, baut aber wenig und wird später Architekt beim Louvre und bei den Tuilerien. Nach dem Tod des Vaters, der eine ausweglose finanzielle Lage hinterlässt, sieht sich Gaston von der Last der Verantwortung, welche seine beiden Brüder, Ernest, ein begabter Musiker und Odilon nicht tragen können, regelrecht erdrückt. Der Familienbesitz in Peyrelebade unweit von Bordeaux, an dem Gaston sehr hängt, weil daran seine Kindheits- und Jugenderinnerungen geknüpft sind, muss verkauft werden. „Sein Geist litt darunter, seine Vorstellung war ganz gegen alle traurigen Gegenstände gekehrt; zu dieser Zeit zeichnete er abends Kompositionen von durchdringender Traurigkeit, wo die romantische Phantasie einen Beigeschmack von Tod hat.“

Der Künstler bringt hier sein Streben nach dem Unendlichen, nach dem endgültig Absoluten, das der Tod darstellt, zum Ausdruck. Er schraffiert das weiße Papier mit großen Federstrichen, schafft zerklüftete Felsenlandschaften, gewundene Pfade, die sich auf unerklimmbare Berge hinaufquälen, riesenhafte Schädel, enorme, plötzlich aus dem Dunst auftauchende Tempel, Kugeln und Sterne, die am schwärzesten Firmament glänzen, nackte, verkrüppelte Bäume ...

Obwohl die Situation sich verbessert, als er Architekt beim Louvre wird, wird Gaston Redon weiterhin von mächtiger Melancholie heimgesucht. „Der Winteranfang ist immer schrecklich; auch der bevorstehende wird mich nicht fröhlich machen. Das merke ich an meiner wiederkehrenden Manie, des abends zum Trost meinen Totenkopf zu betrachten. Dieses Stück Knochen erweist mir Dienste. Es lehrt mich, dass wir alle sterben werden. Auf der anderen Seite bemühe ich mich, nicht vollständig zu sterben.“ Es mit dem Leben aufzunehmen, scheint ihm oft ganz unmöglich und sein Universum besteht nur aus Angst. Seine Inspiration scheint der seines Bruders Odilon in dessen Kohlezeichnungen und Lithographien, sowie derjenigen Victor Hugos ähnlich zu sein. Gaston Redons Zeichnungen sind die eines Poeten, eines Visionärs.




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