Jacques Martin Tétaz
Entwurf für die Oper von Paris

Entwurf für die Oper von Paris
Jacques Martin Tétaz (1818-1865)
Entwurf für die Oper von Paris
1858
Druckgrafik
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Projet pour l'opéra de Paris : façade principale [Entwurf für die Oper von Paris]


Der Saal der Pariser Oper befand sich von 1821 bis zu seiner Zerstörung durch ein Feuer im Jahr 1873 in der Rue Le Peletier im 9. Arrondissement. Da sich dieses Theater allmählich als zu klein erwies, waren schon vor dem Wettbewerb, den 1861 Charles Garnier gewonnen hatte, zahlreiche Entwürfe vorgelegt worden. Das Projekt von Jacques Martin Tétaz war im Mai 1858 entworfen und im August desselben Jahres veröffentlicht worden, d. h. kurz nach Orsinis Attentat auf Napoleon III., der am 14. Januar 1858 vor der Oper der Rue Le Peletier einem Anschlag durch mehrere Bomben entging. Dieser Vorfall führte dazu, dass der Kaiser, zwei Jahre bevor Haussmann die Gründung einer neuen Oper auf dem Boulevard des Capucines beschloss, das Gebäude wieder aufbauen ließ. Tétaz, der Preisträger des Grand Prix de Rome, war als offizieller Architekt des Kaiserreichs für das Schloss von Pau verantwortlich, dem Napoleon III. große Bedeutung beimaß. Er hatte gute Chancen, diesen Auftrag zu erhalten und stellte dieses Projekt 1859 auf dem Salon aus.

Sein Gebäudeentwurf ist im eigentlichen Sinne des Wortes utopisch, da er für keinen bestimmten Ort geplant ist. Im Vordergrund stehen die Volumina und ihre Zweckbestimmung, dadurch fehlt es dem Bauwerk an architektonischer Geschlossenheit. Die Gazette des beaux-arts schreibt „die wesentlichen Bestandteile des Projekts wirken etwas kompliziert” und „die Außengestaltung könnte eine erhabenere Linienführung aufweisen”.
In Anbetracht von Garniers Projekt fehlt es dieser Druckgrafik an Monumentalität. Für Tétaz, der für den Wettbewerb 1861 einen neuen Entwurf vorlegen wird, scheint sie jedoch von Belang, denn er schenkt sie seinem Kollegen, dem Architekten Louis Boitte.




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