Eugène Louis Millet
Entwurf einer Kirche

Entwurf  einer Kirche für eine Gemeinde von 5000 Einwohnern, Seitenfassade
Eugène Louis Millet (1819-1879)
Entwurf einer Kirche für eine Gemeinde von 5000 Einwohnern, Seitenfassade
1854
Tinte, Aquarell
H.: 46,1; B. 31,7 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Schulhaus für 60 Schüler, Entwurf, Aufriss auf den Hof, Aufriss auf den Garten
Pfarrhaus, Entwurf, Aufriss auf den Hof, Aufriss auf den Garten
Entwurf einer Kirche für eine Gemeinde mit 5000 Einwohnern, Schnitt
Entwurf für eine Kirche für eine Gemeinde mit 5000 Einwohnern, Hauptfassade, Schnitt durch das Hauptschiff, Schnitt durch den Chor

Projet d'église pour une commune ayant une population de 5000 âmes, façade latérale [Entwurf einer Kirche für eine Gemeinde von 5000 Einwohnern, Seitenfassade]


1853 beauftragt das Ministère de l'Instruction publique et des cultes die Diözesanarchitekten Modellentwürfe für Kirchen (für 500, 1000 bis 2000 und 5000 Einwohner), ein Pfarrhaus und eine Schule auszuarbeiten, die auf der jeweiligen Region angepasst sind. Angesichts steigender Bevölkerungszahlen und der Nachfrage nach neuen Gotteshäusern zu niedrigen Preisen sollen die besten Projekte den Architekten vor Ort als Modell dienen.
Schon seit Beginn des Jahrhunderts befassten sich die Akteuren der öffentlichen Bauwerke mit Modellentwürfen, und Hippolyle Durand (1801-1882) führte als Erster eine Reihe von Modellen für Kirchen aus – von der Dorfkirche bis zur Kirche einer Präfektur –, die er 1845 auf dem Salon präsentierte. Doch der Aufruf erwies sich als nicht sehr ergiebig. Es gingen nur zweiundvierzig Projekte von meist zweitrangigen Architekten ein. Anerkannte Architekten befürchteten zweifellos, dass ihr Erfindergeist durch ein derartiges Projekt banalisiert wurde. Eugène Louis Millet war einer der wenigen renommierten Diözesanarchitekten, der sich beteiligt hatte.

Millets Projekt umfasst alle der genannten Bauten: das Pfarrhaus, die Schule und natürlich die hier präsentierte Kirche. Millet schlägt nur einen einzigen Bau für eine Gemeinde von 5000 Personen vor. Die verwendeten Materialien sind günstig, die Mauern aus Bruchstein, das Dach aus flachen Ziegeln, die eine Spur von Farbe zufügen sollen, das Gewölbe des Chors ist aus Backstein und das Dachgeschoss des Hauptschiffes aus Balken. Der Stil, der romanische und gotische Elemente vermischt, erinnert an Projekte von Viollet-le-Duc, wie beispielsweise die Kirche von Aillant-sur-Thollon oder von Saint-Denis-de-l'Estrée. Die Seitenfassaden kündigen die Kirche von Maisons-Laffitte an, die Millet ab 1868 errichten wird. Das Gebäude entbehrt jeglicher Verzierung (einziger Dekor: der Tympanon des Eingangsportals und die Statue, die den Giebel der Fassade bekrönt). Auch für das Pfarrhaus und die Schule sind geringe Mittel geplant.

Aufgrund mangelnden Interesses vonseiten der Architekten setzen die Behörden das Projekt jedoch nicht um. Dieser Entschluss legt Zeugnis davon ab, dass Modellentwürfe und eine Vereinheitlichung von Bauwerken nicht unbedingt durchsetzbar sind. Dies wird jedoch die Architekten (insbesondere Charles Garnaud, der 1857 seine Etudes d’architecture chrétiennes ausarbeitete) und die Behörden (in den 1880er Jahren plante man Modellentwürfe für Gymnasien) nicht davon abhalten, mehr oder weniger erfolgreich diesen Bereich zu erforschen.




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