Anonym
Projekt für den Wiederaufbau der Tuileries

Projekt zum Wiederaufbau der Tuileries, Aufriss der Fassade mit Mittelturm
Anonym
Projekt zum Wiederaufbau der Tuileries, Aufriss der Fassade mit Mittelturm
Zwischen 1880 und 1885
Bleistift, Feder und schwarze Tinte, Aquarell
H. 49,2; B.67,2 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Projet pour la reconstruction des Tuileries, élévation de la façade avec une tour centrale [Projekt für den Wiederaufbau der Tuileries, Aufriss der Fassade mit Turm]


Die Ruinen des am 23. Mai 1871 während der Kommune durch ein Feuer zerstörten Palais des Tuileries erinnern über zehn Jahre lang im Herzen von Paris an den Bürgerkrieg. Die erstarkende Republik drängt immer mehr darauf, die Überreste des Palastes zu beseitigen. 1882 beschließt Antonin Proust, Kulturminister unter Gambetta, den Abriss dieses kompromettierenden Symbols. Im September 1883 werden die Ruinen des Schlosses abgetragen, doch der Garten wird erst 1889 angelegt werden. Während Charles Garnier 1881 den Auftrag erhält, dort ein Museum zu errichten, legen seine Zeitgenossen Entwürfe für die Gestaltung dieses Orts vor. Man kommt allmählich davon ab, einen originalgetreuen Bau dort zu errichten.

Dieses anonyme Projekt ist ein beredtes Zeugnis für die vielfältigen Entwürfe. Nichts erinnert an das Bauwerk von Philibert Delorme. Der riesige Turm in der Mitte wirkt wie eine architektonische „Kompilation”: die Spitze zeigt Ähnlichkeit mit dem Pantheon, die Loggien und die Giebeldreiecke erinnern an die Pariser Oper oder auch an die Gare de Lyon... Der Turm wird von zwei nüchternen Galerien umgeben, die durch eine Säulenreihe eine Verbindung zum Pavillon de Flore (rechts) und zum Pavillon de Marsan (links) herstellen. Das Ensemble mutet aufgrund der nicht maßstabsgetreuen Zeichnung ungeschickt und kraftvoll zugleich an.
Der Verwendungszweck des Bauwerks bleibt ungewiss, vermutlich war er eher symbolisch als funktional. Dieses Projekt, das an die gigantische Mole Antonelliana (1863) in Turin erinnert, ist ein beredtes Zeugnis für den damaligen Zeitgeschmack, der hohe Bauwerke bevorzugte. Der Eiffelturm ist wohl das berühmteste Beispiel für diese Epoche.




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