Léon Bonnenfant
Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht

Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht
Léon Bonnenfant (1847-1938)
Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht
Zwischen 1894 und 1900
Bleistift, Aquarell und rote Tinte auf Recyclingpapier, auf Karton aufgeklebt
H. 44; B. 80 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht (Ausschnitt)
Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht (Ausschnitt)

Projet pour l'Exposition Universelle de 1900, vue générale [Projekt für die Weltausstellung 1900, Gesamtansicht]


Das Auswahlverfahren für die Weltausstellung 1900 wird im August 1894 eröffnet. Betroffen sind im wesentlichen drei Bereiche: Champs de Mars (der Standort des Eiffelturms) und Trocadéro, die Esplanade des Invalides und der Industriepalast (dort, wo sich heute Petit und Grand Palais befinden) und der Quai d'Orsay, der die beiden oben genannten miteinander verbindet. Den Bewerbern ist es freigestellt, die Monumente innerhalb des Ausstellungsgeländes zu erhalten, zu verändern oder abzureiβen. Einzig der Palais du Trocadero muss erhalten bleiben. Unter den achthundert Projekten wird Charles Girault's Entwurf ausgewählt.

Bonnenfant plant, den Eiffelturm durch ein ungleichartiges Bauwerk zu ersetzen: die quadratische Basis besteht aus einem Bogengang; die kleinen Kuppeln in den vier Ecken erinnern an die islamische Bauweise im Orient; darüber befindet sich ein dem Pantheon ähnliches Monument: ein quadratischer Sockel, über dem sich ein mit einer Kuppel und einer Turmspitze bekrönter Rundbau erhebt.
Er sieht vor, auf dem dahinter befindlichen Marsfeld ein langes Hauptschiff mit beidseitig rechtwinkligen Jochen zu errichten. Doch die Jury befürchtet, dass sich das Publikum in einem so eintönigen Gebäude verlaufen wird. Auf der Schnittzeichnung eines zweiten Entwurfs kommt die Verwendung von Metall zur Geltung. Der Innenaufriss des Rundbaus hingegen zeigt Steinmauern mit Rundbogenfenstern, durch die das Licht wie bei einer Basilika einfällt.
Für die Invalides schlägt Bonnenfant nichts Neues vor. Der Industriepalast bleibt erhalten und es wird eine Brücke in der Achse der Invaliden errichtet, die direkt auf den Seitenflügel des Palastes stöβt.

Diese Zeichnung sowie die Entwürfe von Jean-Camille Formigé für die Ausstellung 1900, die sich auch im Musée d'Orsay befinden, zeugen davon, wie komplex und schwierig es für die Architekten war, ein kohärentes und neuartiges Projekt zugleich zu präsentieren.




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