Eugène Viollet-le-Duc
Ansicht von Florenz

Ansicht von Florenz
Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879)
Ansicht von Florenz
1836
Bleigriffel, Feder und Tinte, Lavierung auf Papier (aufgeklebt)
H. 31,6 ; B. 64,4 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Vue de Florence [Ansicht von Florenz]


Der junge Viollet-le-Duc stand dem akademischen System sehr skeptisch gegenüber und lehnte es ab, in der Ecole des Beaux-Arts zu studieren. Folglich verzichtete er willentlich auf den Grand Prix de Rome. Dank des Geldes, das ihm Louis-Philippe für das großformatige Aquarell Bankett der Damen in den Tuilerien bezahlt, kann er trotz allem seine Kenntnisse in Italien vervollständigen. Der junge Architekt hält sich von März 1836 bis September 1837 in Italien auf.

Ihm hat es vor allem die Stadt Florenz angetan, die er drei Mal besuchen wird. Diese Ansicht entstand während seines zweiten Aufenthalts von der Kirche San Miniato al Monte aus, einem seiner liebsten Aussichtspunkte. Die Rundansicht zeugt vom Zeichentalent des jungen Künstlers. Sein ganzes Leben lang wird er der Zeichnung große Bedeutung beimessen, da sie seiner Ansicht nach für die Denkstruktur und das architektonische Schaffen unerlässlich ist.

Der geschickte Aufbau dieser Ansicht ist bemerkenswert. Hinter dem romantisch anmutenden Vordergrund bestehend aus Ruinen und Vegetation dehnt sich die Stadt Florenz aus, deren Bauwerke sehr präzise ausgeführt wurden. Einige Häuser sind zwar nur andeutungsweise dargestellt, doch man erkennt ganz klar die Glanzstücke der florentinischen Architektur (Ponte Vecchio, den Dom oder den Campanile…), deren „urtümliches Erscheinungsbild” Viollet-le-Duc besonders schätzt.
Die Vegetation ist so genau abgebildet, dass man die einzelnen Arten ausmachen kann. Dies spiegelt Viollet-le-Ducs Interesse für Naturstudien wider, die seine Lehrtätigkeit an der Ecole de dessin sowie seine theoretischen Schriften beeinflussen werden.

Diese Zeichnung aus dem Jahr 1836 gehörte zu den hundert Blättern, die das Schaffen des bedeutenden Kunsthistorikers illustrieren sollten und 1884 posthum vom Comité du patronage de l’oeuvre du maître in einem Band veröffentlicht wurden.




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