Barthélémy Thalamas
Metaphorisches Porträt

Metaphorisches Porträt
Barthélémy Thalamas (in Toulouse zwischen 1850 und 1860 tätig)
Metaphorisches Porträt
Um 1850
Daguerreotypie
H. 10,9; B. 8,2 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Portrait métaphorique [Metaphorisches Porträt]


Dieses Metaphorische Porträt sist am Rande der Tradition des postmortemporträts anzusiedeln. Der Tote ist nicht anwesend, doch merkwürdigerweise erinnert ein gemaltes Porträt oder ein Abguss seines Gesichts an ihn. Diese beiden Darstellungsformen erhalten vor der Erfindung der Fotografie die Erinnerung an einen Angehörigen aufrecht.
Dieses Bild wirft mehrere Fragen auf: holte man den Fotografen, solange der Tote noch im Haus war? Wurden Porträt und Maske zu Lebzeiten des Mannes oder nach seinem Tod ausgeführt? War letzter schon lange tot und kam man dank der Erfindung eines neuen Mediums auf die Idee, diese Montage anzufertigen?
Die Gegenwart dieser leblosen Bilder neben der Frau, die sie voller Würde und Zärtlichkeit zur Schau stellt, lässt indes keinen Zweifel zu. Sie legen Zeugnis ab von der tiefen Beziehung, die sie mit diesem Mann verband. Welcher Art diese Verbindung war, können wir allerdings nicht mit Gewissheit sagen, denn die Kleidung, die der Mann auf dem gemalten Porträt trägt, ist die eines Priesters.

Diese Daguerreotypie ist sehr ungewöhnlich, es kommt ihr indes dieselbe Bedeutung zu wie den meisten postmortembilder. Es ging darum, die Erinnerung an den Toten aufrechtzuerhalten, sich die einstmals reale Existenz der geliebten Person vor Augen zu führen und trotz seiner Abwesenheit weiterleben zu können.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter