Etienne Clémentel
Familie beim Tee

Familie beim Tee im Garten
Etienne Clémentel (1864-1936)
Familie beim Tee im Garten
1921
Stereoskopische Autochromplatte
H. 4,5; B. 10,5 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais


Familie beim Tee im Garten (Ausschnitt)

Famille prenant le thé au jardin [Familie beim Tee im Garten]


Etienne Clémentel, ein Politiker ersten Ranges – zwischen 1905 und 1931 hat er verschiedene Ministerposten inne -, ist ein leidenschaftlicher Kunstsammler, dessen Vorliebe insbesondere der impressionistischen Malerei gilt. Er war selbst Maler und widmete sich auch über zwanzig Jahre lang der Fotografie. Seine Bilder zeugen ganz offensichtlich von seiner Neigung zum Impressionismus. Das durch das Laub der Bäume dringende Licht dieser Szene auf dem Landgut der Familie Clémentel in Combronde (Puy-de-Dôme) ähnelt jenem des Tanz im Moulin de la Galette von Renoir. Die Unschärfe und das Durcheinander der Aufnahme erinnern auch an Bonnard, insbesondere an seine Fotografien, die in seinem Landhaus Grand Lemps entstanden und an seine Gemälde von Vernon.

Als Fotograf tat sich Clémentel vor allem durch seine stereoskopischen Autochromplatten hervor. Dieses Verfahren verbindet das Autochrom, eine Farbfototechnik, die die Brüder Lumière 1907 auf den Markt brachten, mit plastischer, d.h. dreidimensionaler fotografischen Wiedergabe, die sich im Zweiten Kaiserreich großer Beliebtheit erfreute. Durch die Verwendung des Vérascope Richard, einer tragbaren Kamera, die gleichzeitig zwei Aufnahmen mit leicht verschiedenen Winkeln ermöglicht, erschienen die Bilder in einem binokularen Betrachtungsgerät dreidimensional.
Das Sujet und die Behandlung dieses Gruppenbildnisses vermitteln eine gute Vorstellung von den Fotografien wohlhabender Amateurfotografen um die Jahrhundertwende, die sich dieser Aktivität meistens im Familienkreis widmen.




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