Charles Augustin Lhermitte
Schafherde

Frankreich, Schafherde neben einem Teich
Charles Augustin Lhermitte (1881-1945)
Frankreich, Schafherde neben einem Teich
1912
Aristotypie (Abzug mit Goldchlorid)
H. 5,8; B. 8,4 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

France, troupeau de moutons près d'une mare [Frankreich, Schafherde neben einem Teich]


Charles Augustin Lhermitte, ein Amateurfotograf, interessiert sich zwar für die formalen Recherchen des Piktorialismus, für seine eigenen Arbeiten war jedoch die naturalistische Malerei seines Vaters Léon Lhermitte maβgebend.
Das Interesse des jungen Lhermitte gilt dem Leben im Dorf (Märkte, Wallfahrten und bretonische Prozessionen) und der Arbeit auf dem Land (Verbrenner von Tang, Erntearbeit, Fischer, Spitzenklöpplerinnen, Schäfer). Ihm geht es nicht darum, seine Motive zu idealisieren, er arbeitet ganz wie ein Maler, der das Landleben veranschaulichen will und statt des Pinsels ein Objektiv verwendet. Er ist ein Meister der Bildeinstellung, der Licht- und Schatteneffekte. Er überarbeitete zwar in piktorialistischer Manier viele seiner Abzüge im Gummi-Bichromatverfahren, doch über zweitausend kleinformatige Abzüge, wie beispielsweise diese Schafherde neben einem Teich, wurden nur mit Goldchlorid behandelt.

Seine Aufnahmen sind sehr genau, er verwendet ein Objektiv, das ihm ein „scharfes, klares Bild gibt, die Ebenen und das Relief wiedergibt, eine leuchtende, alles durchflutende Atmosphäre vermittelt und die Dinge umso deutlicher darstellt, je weiter sie entfernt sind“. Er verzichtet auf die von den Piktorialisten empfohlenen verschwommenen Effekte. Seine Bilder steht im Einklang mit der dokumentarischen Fotografie des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die bestrebt ist, für die zukünftigen Generationen die Spuren einer vom Aussterben betroffenen Kultur festzuhalten.




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