Félix Nadar
Jean-François Millet

Millet
Félix Nadar (1820-1910)
Millet
Zwischen 1854 und 1860
Abzug auf Albuminpapier
H. 24,4; B. 18 cm
© Musée d'Orsay, dist RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Jean-François Millet


Der Fotograf, Journalist, Kritiker und Karikaturist Nadar hatte im Journal pour rire vom 24. Juli 1852 eine Karikatur veröffentlicht, die Jean-François Millet als Bauern und Maler zeigte. Er ließ ihn Holzschuhe tragen und stattete ihn mit Schaufel, Spaten und seiner Palette aus. Ein leicht spöttischer Text wurde begleitend zu der Zeichnung veröffentlicht: „Millet, ein naiver, melancholischer Maler, ist der Natur, die er eifrig wiedergibt, sehr ähnlich. Er fühlt sich zu den Heuern, Kornschwingern, Weinlesern, Schnittern hingezogen: Er arbeitet gern auf dem Feld, bringt die Garben in den Kornspeicher, überwacht die Arbeit in der Waschküche, an der Presse, wirft einen Blick in den Stall, bevor er sich in der Milchküche ans Buttern macht”.

Einige Jahre später. Nadar fotografiert Millet in dieser sehr gesetzt anmutenden Haltung. Millet trägt Stadtkleidung, er wirkt stattlich, robust, beinahe streng. Das Bild entspricht der Vorstellung seiner Freunde: „Er war relativ groß, korpulent, hatte einen Stierhals und seine Hände glichen denen, eines Bauern. Die nach hinten gekämmten braunen Haare offenbarten eine schmale, energische Stirn, dieser Eindruck wurde durch die gerunzelten Brauen, sehr dunklen, blauen, halb geöffneten Augen verstärkt [...]. Sein zurückhaltendes Aussehen stand im Einklang mit seiner bedächtigen, ein wenig schulmeisterlichen Sprechweise” (Philippe Burty, Maîtres et petits-maîtres, 1877).

Es schien zwei Millets zu geben. Den Pariser, der den Eindruck einer achtbaren, ernsten Person vermitteln wollte und den ländlichen Millet von Barbizon. Nadar fühlte sich gleichermaßen von den beiden Facetten des Künstlers angezogen.




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