Fernand Khnopff
Marguerite Khnopff

Marguerite Khnopff, die Schwester des Künstlers, Studie für "Das Geheimnis" von 1902
Fernand Khnopff (1858-1921)
Marguerite Khnopff, die Schwester des Künstlers, Studie für "Das Geheimnis" von 1902
Um 1901
Aristotypie (Zitratpapier) von Glasnegativ
H. 15,5; B. 11 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Marguerite Khnopff, soeur de l'artiste, étude pour "Le secret" de 1902 [Marguerite Khnopff, die Schwester des Künstlers, Studie für "Das Geheimnis" von 1902]


Während seiner ganzen Karriere verschweigt der symbolistische Maler Fernand Khnopff sorgfältig den Einfluss, den die Fotografie auf manche seiner Gemälde ausübte. Anlässlich einer Konferenz an der Académie des Beaux-arts im Jahr 1916 widerlegt er die künstlerische Dimension der Fotografie. Nach seinem Tod tritt jedoch zutage, dass Khnopff persönlich rund vierzig Aufnahmen von Marguerite, seiner Schwester und seinem Lieblingsmodell, ausgeführt hat. Ihre hieratisch anmutenden Haltungen, die Inszenierungen und der an der Antike und am Orient inspirierte Dekor verleihen dem Bild eine merkwürdige Fremdartigkeit.

Khnopffs Universum nimmt auf seinen Aufnahmen, die ihm später als Vorlage für Gemälde oder Zeichnungen dienen werden, Gestalt an. Seine Fotografien künden schon die geheimnisumwobene Atmosphäre und dramatische Dichte der endgültigen Werke an. Khnopff muss nur noch das fotografierte Motiv wie beispielsweise Das Geheimnis (Brügge, Groeningemuseum) in Pastell oder Öl malen.

Dadurch, dass er die theatralische Dimension der Fotografie zur Geltung bringt, steht Khnopff in der Tradition der Fotografen Julia Margaret Cameron, Lewis Carroll und Lady Hardawen, die sich mehr oder weniger auf die Präraffaeliten berufen. Diese Tendenz setzt sich im 20. Jahrhundert besonders bei den konzeptuellen Künstlern durch, die ihre „Performances” fotografieren.




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