Hugh Welch Diamond
Bildnis einer Verrückten

Bildnis einer Verrückten
Hugh Welch Diamond (1809-1886)
Bildnis einer Verrückten
Zwischen 1852 und 1854
Albuminabzug auf Papier von feuchtem Kollodium-Glasnegativ
H. 17,5; B. 12,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Portrait de folle [Bildnis einer Verrückten]


Anfang 1850 leitet Doktor Hugh Diamond die psychiatrische Anstalt für Frauen in der Grafschaft Surrey. Der begeisterte Fotograf ist auch Mitglied der Royal Photographic Society.
Diamond fotografiert systematisch seine Patientinnen, um ihre Krankheit anhand der Physiognomie zu diagnostizieren. Das Anliegen der sogenannten Morphopsychologie, die sich insbesondere im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt, ist es, die Persönlichkeit eines Menschen anhand seiner Physiognomie zu enthüllen.
Diamond hält mittels seiner Fotografien die Entwicklung seiner Patientinnen fest. Doktor Georget, der Irrenarzt und leitende Arzt des Krankenhauses der Salpêtrière, hatte schon um 1820 von Géricault gemalte Porträts von Menschen, die von einer Wahnidee besessen sind, für seine Arbeit eingesetzt. Diamond stellt auch fest, dass seine Bilder bisweilen zur Heilung der Patienten beitragen.

Hugh Diamond hat auch andere Fotografien aufgenommen. Doch dank der Ausdruckskraft und der ästhetischen Qualität stellen diese Bilder, die als Hilfsmittel für seine Arbeit angefertigt wurden, den Höhepunkt seiner Kunst dar. Andere Porträts dieser Art, die in Alben zusammengefasst wurden und zum Großteil in britischen Krankenhäusern aufbewahrt werden, wirken vielleicht reizvoller oder pittoresker. Doch dieses hier, das durch seine Nüchternheit und den verwirrten Blick des Modells besticht, gehört zu den stärksten und modernsten seiner Fotografien.




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