Anonym
Postmortemporträt einer alten Frau

Postmortemporträt einer alten Frau
Anonym
Postmortemporträt einer alten Frau
Um 1850
Daguerreotypie
H. 9,5; B. 7,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Postmortemporträt einer alten Frau
Postmortemporträt einer alten Frau

Portrait postmortem d'une femme âgée [Postmortemporträt einer alten Frau]


„Der Künstler begibt sich, falls erwünscht, in Ihre Wohnung, auch für Porträts von Toten“. In dieser oder ähnlicher Formulierung werben die ersten Daguerreotypisten um Kundschaft. Sie legt Zeugnis von einem Brauch ab, der sich schnell verbreitet. Bisher gab es nur zwei Möglichkeiten, die Erinnerung an den Toten zu bewahren: die Totenmaske und das gemalte Porträt, das sich nur Begüterte leisten konnten. Die postmortemfotografie sprach ein breiteres Publikum an.

Die Autoren dieser Daguerreotypien blieben meist anonym. Man kann verstehen, dass ein Fotograf, der es zu einem gewissen Ansehen gebracht hatte, diese eher undankbare Aufgabe mied. In einem 1855 veröffentlichten Werk gesteht Eugène Disdéri: „Wir haben zahlreiche Postmortemfotos angefertigt; aber wir gestehen offen ein, dass wir dies nur sehr widerstrebend taten“.
Zwischen 1840-1850 ist die Postmortem-Daguerreotypie oftmals das einzige Porträt des Modells. Üblicherweise stellte man das Gesicht des auf dem Totenbett liegenden Verstorbenen in Nahaufnahme dar, um den Eindruck des Schlafes zu vermitteln. Von dieser Frau wurden sogar drei Ansichten aufgenommen. Wie in den meisten Fällen fehlen auch hier Sarg, Blumen oder Kreuz, die auf den Tod hinweisen würden. So können Jahrzehnte später außerhalb des Familienkreises Zweifel aufkommen, ob es sich tatsächlich um ein Postmortemporträt handelt.




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