Eugène de Bassano
Seitenportal von Notre-Dame

Seitenportal von Notre-Dame
Eugène de Bassano (1806-1889)
Seitenportal von Notre-Dame
Um 1845
Salzpapierabzug von Papiernegativ
H. 17,3; B. 21,2 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Patrice Schmidt

Portail latéral de Notre-Dame [Seitenportal von Notre-Dame]


Parallel zur Erfindung der Daguerreotypie in Frankreich entwickelt William Fox Talbot (1800-1877) gegen Ende 1830 ein fotografisches Verfahren auf Papier, das er 1842 unter dem Namen Kalotypie („schönes Bild”) patentieren lässt. Angesichts des kommerziellen Erfolgs der Daguerreotypie steht anfangs der ästhetische Aspekt seiner Technik im Vordergrund.

Im Frühling 1843 begibt sich Talbot auf der Suche nach Absatzmöglichkeiten für sein Verfahren nach Frankreich. Dank der französischen Gouvernante seiner Kinder lernt der englische Fotograf den Marquis Eugène de Bassano kennen. Der Pariser Unternehmer, Sohn des Außenministers Napoleons I., begeistert sich für Talbots Erfindung. Am 26. Juni 1843 unterzeichnen die beiden Männer einen Vertrag. Bassano wird in die Kalotypie eingeführt und gründet 1843 mit dem Einverständnis Talbots die Gesellschaft für Kalotypie deren Ziel es ist, Papierfotografien von den bedeutenden französischen Monumenten anzufertigen und zu verkaufen.

Die Fotografie des Portals von Notre-Dame vor der Restaurierung der Kathedrale entstand vermutlich im Rahmen dieses Projektes. Sie trägt die Angabe Sté Cpe. Die Qualität dieses Bildes, seine Tiefenwirkung, die samtig glänzende Oberfläche sind charakteristisch für die Kalotypie. Sie erinnert ein wenig an die Radierung. Aus diesem Grund ziehen die Künstler Talbots Verfahren der zu klaren und präzisen Daguerreotypie vor.
Diese Ansicht des Seitenportals von Notre-Dame legt Zeugnis von einer noch relativ unbekannten Episode der Geschichte der Fotografie zwischen England und Frankreich ab.




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