George Seeley
The Brass Bowl

The Brass Bowl
George Seeley (1880-1955)
The Brass Bowl
Um 1905
Abzug im Bichromatverfahren
H. 35; B. 29 cm
© DR - Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais

The Brass Bowl


George Seeley, der Mitglied der von Alfred Stieglitz 1903 gegründeten amerikanischen Gruppe „Photo Secession” war, gehört zu den großen Namen der piktorialistischen Fotografie des beginnenden 20. Jahrhunderts. The Brass Bowl, zweifellos sein bekanntes Bild, könnte als Manifest dieser Fotografen stehen, die sich mit dem Ziel zusammenschlossen, der künstlerischen Fotografie zum Durchbruch zu verhelfen. Sowohl ihre Inspirationsquellen als auch ihre Techniken sind denen der Peintres-graveurs verwandt. Sie lehnen beispielsweise die getreue Wiedergabe der Realität ab, die die wissenschaftliche und kommerzielle Fotografie auszeichnet, und bevorzugen komplexe Herstellungsverfahren von Abzügen, bei denen die Handfertigkeit des Künstlers im Vordergrund steht und die Einzelstücke hervorbringen.
Hier wurde die Fotografie mit einem Pinsel zwei Mal mit einer organischen, lichtsensiblen Substanz bestrichen, durch die der geheimnisvoll dunstig anmutende Effekt, der von der unscharfen Einstellung herrührt, verstärkt zum Tragen kommt. Das eigentliche Sujet des Werks sind das Schimmern der Kupfervase im Halbdunkel und der verzückte Gesichtsausdruck des weiblichen Profils. Die Atmosphäre ist charakteristisch für den Symbolismus um 1900.

Die Komposition selbst, in der ein Gesicht in Großaufnahme einem Alltagsgegenstand gegenüber gestellt wird, erinnert natürlich an die Kunst von Julia Margaret Cameron (1815-1879), einer der Wegbereiterinnen des Piktorialismus, sowie an die zahlreichen Holzschnitte des Japaners Utamaro (1753-1806). Dies ist ein beredter Beweis dafür, dass einige amerikanische Piktorialisten, ganz gleich welcher Herkunft, und insbesondere der aus Stockbridge (Massachusetts) stammende Seeley, sehr gut über die internationalen künstlerischen Bewegungen Bescheid wussten.




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