Julia Margaret Cameron
The parting of Sir Lancelot and Queen Guinevere

The parting of Sir Lancelot and Queen Guinevere
Julia Margaret Cameron (1815-1879)
The parting of Sir Lancelot and Queen Guinevere
1874
Albuminabzug von Kollodium-Glasnegativ, auf Karton aufgezogen
H. 33,8; B. 28,9 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

The parting of Sir Lancelot and Queen Guinevere


1874 bittet der Schriftsteller Alfred Tennyson Julia Margaret Cameron, seine Freundin und Nachbarin auf der Insel Wight, eines seiner Werke mit Fotografien zu illustrieren. Es handelt sich um Idyllen des Königs, ein Gedichtband zur Artussage.
Julia Camerons Werk wird schon seit über zehn Jahren von Tennysons sehr bildhafter Lyrik inspiriert. Folglich nimmt sie den Auftrag mit Begeisterung an und arbeitet mehr als drei Monate an den Aufnahmen. Freunde, Hausangestellte, Besucher stehen ihr in geliehenen Kostümen Modell.
Technische Schwierigkeiten – die Belichtungszeit beträgt damals zwischen drei und sieben Minuten – und das Streben des Autors nach Vollkommenheit machen unzählige Aufnahmen erforderlich. Für die zwölf Illustrationen entstanden über zweihundert Bilder. Allein für Lancelot nimmt von Guinevere Abschied waren zweiundvierzig Aufnahmen notwendig.

Die Szenen stehen in der Tradition der Präraffaeliten. Dies wird nicht nur anhand der Themen und der menschlichen Figuren deutlich sondern auch anhand der Verbindung von Mystik und zärtlicher Sinnlichkeit. Sie verwendet als erste die Fotografie in einem Bereich, von dem dieses Medium anfangs ausgeschlossen war: das Imaginäre, die Fantasie, das Ideal. Dies ist eine für die angelsächsische Kultur charakteristische Orientierung, deren Auswirkungen in der Folgezeit zu spüren sein werden. Sie bereitet nicht nur der piktorialistischen Bewegung des ausgehenden Jahrhunderts sondern auch der surrealistischen und abstrakten Fotografie der 1920er Jahre den Weg.




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