Charles Hugo
Victor Hugo am Felsen der Verbannten

Victor Hugo vor dem Felsen des Proscrits
Charles Hugo (1826-1871)
Victor Hugo vor dem Felsen des Proscrits
Um 1853
Salzpapierabzug
H. 10,3; B. 6,3 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Victor Hugo dans le rocher des Proscrits [Victor Hugo am Felsen der Verbannten]


Zwischen 1852 und 1855 widmet sich Victor Hugo in seinem Exil auf der Insel Jersey mit Begeisterung der Fotografie. Der Schriftsteller war am 5. August 1852 auf der anglonormannischen Insel eingetroffen und setzte seiner Isolation ein Ende, indem er nicht nur seine Texte sondern auch sein Bild verbreitete. Die Hugos richteten in dem Haus Marine Terrace das sogenannte „Fotostudio von Jersey“ ein. Victor Hugo hat diesen Begriff selbst zwar nicht verwendet, doch die große Anzahl von Abzügen, die von vierhundert Aufnahmen angefertigt wurden, rechtfertigt den Gebrauch. Die Porträts und Landschaften waren für ein Werk bestimmt, dessen Herausgabe jedoch auf Grund der Texte gegen „Napoleon den Kleinen“ verboten worden war.

Er hat jedoch die Fotografie nur mit Hilfe anderer Personen, seiner Söhne Charles und François-Victor oder seines treuen Freundes Auguste Vacquerie, ausgeübt und sich persönlich um die Inszenierung gekümmert. Er persönlich leitete gemeinsam mit seinem Sohn Charles alle Aufnahmen. Hugo schickte einem Briefpartner ein Bild, das ihn auf dem Felsen der Verbannten sitzend zeigte, mit folgendem Kommentar: „Sie wollen mein Porträt. Hier haben Sie es, ich selbst habe es ausgeführt. Ich werde in der Verbannung bleiben, ich gebe nicht auf“.

Hugos Begeisterung für die Fotografie zeugt von seiner Offenheit für den Fortschritt. Er sah voraus, welche Bedeutung diese neue Technik für die Geschichte und die Kunst haben würde. Er schreibt dem Verleger Pierre-Jules Hetzel: „(In der Zwischenzeit) wollen wir die fotografische Revolution“.
Victor Hugo bemüht sich ebenfalls darum, seine eigene Legende zu konstruieren. Er will der Nachwelt Zeugnis von dem Augenblick ablegen, als sein Schicksal in die Geschichte eingeht. Er setzte Frau Hugos Ausspruch, den Adèle Hugo in ihrem Tagebuch verewigte, in die Tat um: „Meine Tochter, du hast noch lange Jahre vor dir, schau dir deinen Vater an. Schau dir Victor Hugo an und vergiss niemals, dass du ihn auf diesem Felsen als Verbannten mit Blick auf Frankreich gesehen hast“.




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