Edouard Baldus
Ansicht des Bahnhofs von Picquigny

Ansicht des Bahnhofs von Picquigny
Edouard Baldus (1813-1889)
Ansicht des Bahnhofs von Picquigny
1855
Salzpapierabzug von Papiernegativ
H. 33; B. 44 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR

Vue de la gare de Picquigny [Ansicht des Bahnhofs von Picquigny]


1855 reist Königin Viktoria zur Weltausstellung nach Frankreich. Kaiser Napoleon III. geleitet sie von Boulogne-sur-Mer bis nach Paris. Als Erinnerung an diesen Besuch schenkt ihr Baron James von Rothschild, der Präsident und Hauptaktionär der Chemin de fer du Nord [Nordbahn], ein Album mit den wichtigsten Etappen ihrer Zugfahrt.

Nahezu alle großformatigen Platten dieses Albums stammen von Edouard Baldus, der sich auf der „Mission héliographique” 1851 durch seine meisterhaften Architektur- und Landschaftsansichten auszeichnete. Er war der erste Fotograf, dem es gelang, die durch Metallkonstruktionen veränderte französische Landschaft darzustellen. Die Ansicht des Bahnhofs von Picquigny besticht durch ihre Weite und stimmungsvolle Atmosphäre. Sie ist ein Symbol für diese Architektur und die Landschaft der Moderne, für die sich etwas später auch Maler wie Monet und Signac interessieren werden.

Die Fotografien dieses Albums zählen zu Baldus‘ schönsten Aufnahmen. Sein Stil hat den Höhepunkt seiner Reife erreicht: Klassische Sichtweise, Ausgewogenheit zwischen einem Dokument und einem Kunstwerk, zwischen der reinen Schilderung und dem Pittoresken. Auf fast allen Aufnahmen befindet sich das Sujet in einiger Entfernung hinter einem weitläufigen und leeren Vordergrund im unteren Bildteil. Durch diesen Abstand entsteht eine ruhige, beschauliche Atmosphäre. Der Vordergrund dient auch dazu, das Interesse des Betrachters zu erwecken und ihn an das Hauptmotiv heranzuführen. Hier geleiten die schmalen, glatten Schienen den Blick bis zu den Bahnhofsgebäuden.

Das Königin Viktoria überreichte Album wird heute in Schloss Windsor aufbewahrt. Ein gewöhnlicheres Album der Nordbahn wurde an die Aktionäre des Unternehmens verteilt, doch dieses Bild stammt aus einem dritten Album, das vermutlich dem Kaiser gehörte, selbst wenn sich im Schloss von Compiègne noch ein weiteres Exemplar kaiserlichen Ursprungs befindet.




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