Henri Martin
Bildnis des Künstlers

Portrait de l'artiste [Bildnis des Künstlers]
Henri Martin (1860-1943)
Portrait de l'artiste [Bildnis des Künstlers]
Um 1912
Öl auf Leinwand
H. 57,5; B. 76 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Portrait de l'artiste [Bildnis des Künstlers]


Dieses Selbstbildnis von Anfang 1910 ist sowohl den Neuerungen der Neoimpressionisten als der Tradition der alten Meister verpflichtet. Man kann zahlreiche Anleihen aus der Vergangenheit erkennen. Der Rundbogen des Gemäldes beispielsweise erinnert an die charakteristischen Korbbögen des Mittelalters.
Die Palette in der Hand des Künstlers hat eine ganz offensichtliche Bedeutung: Sie verweist symbolisch auf seine Tätigkeit und explizit auf die Malerei des ausgehenden Mittelalters. Das Porträt in einem Interieur kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Die Faktur hingegen knüpft an den Neoimpressionismus an. Durch die divisionistische Technik versucht Martin das Flimmern des südlichen Lichts wiederzugeben. Die Farbtupfen und -streifen, die er mehr oder weniger eng auf eine schon dicke Schicht setzt, erinnern an den typischen Stil von Albert Dubois-Pillet, einem der Begründer der Bewegung.
Diese Technik in Verbindung mit einer strengen doch fließenden Linienführung und einem durchdachten doch natürlich anmutenden Aufbau versetzte 1884 das Publikum in Erstaunen und 1886 in Aufruhr, auf diesem Gemälde von 1912 scheint sie indes vollkommen im Einklang mit der großen französischen Maltradition.




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