Henri Fantin-Latour
Charlotte Dubourg

Charlotte Dubourg
Henri Fantin-Latour (1836-1904)
Charlotte Dubourg
1882
Öl auf Leinwand
H. 118; B. 92,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Charlotte Dubourg


Charlotte Dubourg (1850-1921) ist die Schwester von Victoria (1840-1926), der Gattin von Fantin-Latour. Letzterer malt sie mehrere Male allein oder auf Familienporträts. Victoria, eine berühmte Malerin, ist uns gut bekannt, doch über Charlotte wissen wir nur sehr wenig. Sie war ledig geblieben und arbeitete als Deutschlehrerin. Ihre Haltung auf den Gruppenporträts lässt eine starke, unabhängige Persönlichkeit erkennen.

Dieses Porträt, das ehrgeizigste, das Fantin-Latour von seiner Schwägerin ausführte, zeichnet sich sowohl durch sein Format als auch die sorgfältige Ausführung aus. Die Haltung der jungen Frau in Stadtkleidung wirkt natürlich, keineswegs gekünstelt. Ein Ereignis außerhalb des Bildausschnitts scheint ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Fantin-Latour schafft eine gedämpfte Atmosphäre, er verwendet matte, verblichen wirkende Farbschattierungen: für den Hintergrund rosa-bräunliche und für die Kleidung grau-blaue Nuancen. Er fügt einige kräftige Farbflecken hinzu, um seinem Bild Leben zu verleihen: das Rot des Fächers, die weiße Spitze am linken Handgelenk, die das Licht einfängt, die gelben Blumen auf dem Hut.
All diese Elemente machen heutzutage den Reiz des Werks aus. Die damaligen Kritiker, die vor allem an prunkvolle Repräsentationsporträts gewohnt waren, wussten nichts viel damit anzufangen. Maurice Hamel schrieb beispielsweise in der Gazette des Beaux-Arts vom Juni 1887: „Man kann zweifellos die Kunstfertigkeit des Malers erkennen, das Bild ist sehr harmonisch aufgebaut, die Formgebung vollkommen. Aber es scheint, als habe der Künstler zu viel Wert auf Einzelheiten gelegt, statt sich auf die Physiognomie zu konzentrieren“.




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