Edouard Vuillard
Das Frühstück

Das Frühstück
Edouard Vuillard (1868-1940)
Das Frühstück
1903
Öl auf Karton
H. 57; B. 60 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le déjeuner du matin [Das Frühstück]


Schon Vuillards Frühwerk zeichnet sich durch intime, autobiografische Szenen aus. Auf diesem Frühstück, das um 1900 entstand, sitzt die Mutter des Künstlers im Halbdunkel an einem Tisch in einem bürgerlichen Interieur. Zu jener Zeit wendet sich der Maler von der Stilisierung der Nabis ab und macht von der Perspektive und Wirkung des Lichts Gebrauch.

Vuillard beobachtet seine Mutter bei ihren alltäglichen Tätigkeiten. Er malt sie beim Nähen, Lesen und bei der Hausarbeit. Die ehemalige Korsettmacherin hatte ihren Sohn in der abgeschirmten Welt ihrer mit Bändern und Stoffen angefüllten Werkstatt großgezogen. Seine Vorliebe für Tapeten, Tischdecken und Kleider tritt auf unzähligen Gemälden zutage. Er greift auch dekorative Elemente japanischer Holzschnitte auf, für die Kimonomotive als Vorlage dienten.
Der asymmetrische Bildaufbau und auch das Thema selbst lassen den Einfluss der japanischen Kunst erkennen. Insbesondere Harunobu (um 1725-1770) stellt zahlreiche Interieurs dar, auf denen Frauen ruhigen Hausarbeiten nachgehen.

Vuillard, der sich vor allem durch seine Interieurs und dekorativen Bilder auszeichnet, gibt die Poesie dieses abgeschiedenen, ein wenig erdrückenden Universums voller Gegenstände und Stoffe wieder. Das Gemälde wird durch die für den Maler charakteristischen feinen Farbabstufungen geprägt. Die nur angedeuteten, gleich einer Tapisserie harmonisch ineinander übergehenden Formen unterstreichen die wohlige Atmosphäre dieses Interieurs und sind zugleich Ausdruck der Einsamkeit und der Verständigungsschwierigkeiten, mit denen selbst einander nahestehende Menschen konfrontiert sind.




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