Eugène Carrière
Das kranke Kind

Das kranke Kind
Eugène Carrière (1849-1906)
Das kranke Kind
1885
Öl auf Leinwand
H. 101; B. 82 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

L'enfant malade [Das kranke Kind]


Gustave Geffroy schrieb 1892 in La Vie artistique über Carrière: „Das religiöse Motiv der Muttergottes mit Kind, das von allen alten italienischen Meistern dargestellt wurde, [...], wurde von ihm wieder aufgenommen. Er modernisierte das Thema [...]. Seine Darstellungen wirken nicht mehr so ruhig und friedlich wie die religiösen Gemälde, sie spiegeln den Pessimismus der Epoche, die düsteren Gedanken der Mutter wider [...], die ängstlich ihr Kind in den Armen hält, um es vor Krankheit und Tod zu schützen”. Diese Analyse mutet noch ergreifender an, wenn man weiß, unter welchen Umständen dieses Gemälde entstanden ist: Es ist ein Porträt der Gattin des Malers, die liebevoll ihr sechsjähriges Kind im Arm hält, das noch im selben Jahr sterben sollte.

Carrières spätere Werke zeichnen sich durch ihre braune Palette aus, die durch einige wenige weiße Pinselstriche gehöht wird. Auch hier überwiegen schon Weiß- und Brauntöne, doch es gibt noch Spuren von Farbe. In der Mitte links beispielsweise kann man einen roten Blumenstrauß erkennen, der die leicht dezentrierte Darstellung der Figuren rechtfertigt.
Als 1920 das Atelier von Carrière aufgelöst wird, wird dieses ergreifende Gemälde zum Verkauf angeboten und schließlich von der Familie des Künstlers aufgekauft, die es drei Jahre später dem Louvre schenken wird.




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