Honoré Daumier
Das Martyrium des Heiligen Sebastian

Das Martyrium des Heiligen Sebastian
Honoré Daumier (1808-1879)
Das Martyrium des Heiligen Sebastian
Um 1849
Öl auf Holz
H. 32; B. 22 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le martyre de saint Sébastien [Das Martyrium des Heiligen Sebastian]


Im Februar 1849 gibt die Direktion der Beaux-arts bei Daumier ein Gemälde mit einem Sujet nach seiner Wahl in Auftrag. Er schlägt ein Martyrium des Heiligen Sebastian vor und liefert im Mai 1852 ein großformatiges Gemälde (250x150 cm), das sogleich an die Kirche von Lesges, eine kleine Gemeinde im Departement Aisne, geschickt wird. Das Bild wurde 1979 wieder entdeckt und wird heute im Museum von Soissons aufbewahrt. Diese prächtige Studie wurde 1978 in einer Privatsammlung gefunden.

Ende der 1840er Jahre gilt Daumier als ein Meister der Karikatur, doch er hat sich bisher erst wenig mit der Malerei beschäftigt. Delacroix dient in diesem Bereich unbestreitbar als Vorbild. Mit dem Martyrium des Heiligen Sebastian widmet sich Daumier erstaunlicherweise nicht nur einem religiösen Thema, sondern er bearbeitet sogar ein Sujet von Delacroix neu. Es handelt sich jedoch keineswegs um eine Kopie oder Nachahmung, denn Daumier passt das kodifizierte Universum der religiösen Malerei frei seinen Vorstellungen an. Die Darstellung des Körpers des Märtyrers weist beispielsweise eine gewisse Ähnlichkeit mit manchen seiner Lithografien auf. Der Rubens nachempfundene Engel taucht in verschiedenen satirischen Bildern wieder auf, die er für Idylles parlementaires (1850-1851) ausgeführt hatte.

Diese Entsprechungen zwischen der Malerei und der Karikatur kommen ganz besonders stark in der Ironie der Lithografie zum Ausdruck, die im Dezember 1849 im Charivari veröffentlicht wurde. Jene zeigt Doktor Véron, einen ehemaligen Assistenzarzt an einem Pariser Krankenhaus, der später Direktor der Opéra von Paris wurde, als Neuen Heiligen Sebastian. All diese Elemente verweisen auf die politische Dimension des Themas. Das Bild ist vielleicht eine Metapher des Schicksals der Zweiten Republik.




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