Félix Vallotton
Das Pokerspiel

Das Pokerspiel
Félix Vallotton (1865-1925)
Das Pokerspiel
1902
Öl auf Karton
H. 52,5; B. 67,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le poker [Das Pokerspiel]


„Eine große Neuigkeit, die sie sehr überraschen wird: Ich werde heiraten; ich heirate eine Dame, die ich seit langem kenne und schätze, eine verwitwete Freundin mit drei Kindern. Dank ihres Vermögens kann sie für sich selbst und ihre Kinder sorgen; und wenn man meinen potentiellen Verdienst noch hinzufügt, dann ist uns ein gutes Auskommen gesichert. Außerdem wird sich die Familie um die Kinder kümmern und wird auch meiner Karriere äußerst dienlich sein; es sind große Kunsthändler”. In dieser ein wenig zynischen Manier kündet Vallotton Anfang 1899 seine bevorstehende Hochzeit mit Gabrielle Rodrigues-Henriques, der Tochter von Alexandre Bernheim, an. Der Erfolg dieser Vernunftehe lässt nicht lange auf sich warten, Vallotton wird schon in Kürze in der Galerie seiner Schwager Josse und Gaston Bernheim ausgestellt.

Bis 1902/1903 malt Vallotton zahlreiche Gemälde, auf denen er seine Frau und deren Kinder sowie verschiedene Verwandte seiner Gattin darstellt. Hier sieht man Gabrielle beim Karten spielen mit ihrer Mutter und ihrem Onkel. Doch weshalb wird das Sujet dieser ungewöhnlichen Komposition in den Hintergrund, in eine nahezu unerreichbare Ferne gedrängt? Der Vordergrund wird von einem riesigen ovalen Tisch und einer übermäßig großen Lampe eingenommen.
Zu jener Zeit verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Vallotton und seiner Schwiegerfamilie. Der Maler wird schon bald seine Geschäfte mit den Schwagern einstellen. Diese Szene, die der Maler mit beißendem Zynismus beobachtet, bestätigt John Kleins Aussage über die Beziehung, die Vallotton mit seiner Schwiegerfamilie unterhält: „Die Verzerrung des Raums und die außerordentliche Beachtung, die er den Möbeln und dem Dekor beimisst, sind Ausdruck seines Unbehagens” (Félix Vallotton, une rétrospective, 1992).




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