James Tissot
Der Cercle de la rue Royale

Der Cercle de la rue Royale
James Tissot (1836-1902)
Der Cercle de la rue Royale
1868
Öl auf Leinwand
H. 174,5; B. 280 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Der Cercle de la rue Royale (Ausschnitt)
Der Cercle de la rue Royale (Ausschnitt)
Der Cercle de la rue Royale (Ausschnitt)
Der Cercle de la rue Royale (Ausschnitt)

Le Cercle de la rue Royale [Der Cercle de la rue Royale]


Tissot führte dieses eindrucksvolle Gruppenbildnis gegen Ende des Zweiten Kaiserreichs aus. Es vermittelt uns einen Einblick in den Cercle de la rue Royale, einen prestigeträchtigen Club, der 1852 gegründet wurde. Jeder der Porträtierten beteiligte sich mit 1000 Francs an der Auftragsarbeit, der Besitzer sollte durch Losverfahren ermittelt werden. Baron Hottinger, der auf dem Bild rechts auf dem Sofa sitzt, war der Glückliche. Das Gemälde blieb bis zu seinem Eingang in das Musée d’Orsay im Besitz seiner Familie. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Gruppe gehört Marquis von Galliffet, ein erbitterter Gegner der Kommune von 1871, er stützt sich rechts auf den Sessel, in dem Prinz Edmond-Melchior von Polignac sitzt. Ganz rechts steht Charles Haas, der Jahre später Marcel Proust als Vorbild für die Figur von Swann in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit dient.

Als Sohn eines Modehändlers und einer Putzmacherin brachte Tissot die Kleidung auf seinen Gemälden ganz besonders zur Geltung. Dieses Interesse ist auf dem Cercle de la rue Royale ganz deutlich zu erkennen, denn er scheint fast mit der detaillierten Genauigkeit des Kameraauges zu wetteifern. Die genau dargestellten Anzüge und Accessoires vermitteln uns eine Vorstellung vom Geschmack der Aristokratie in den 1860er Jahren und sie verweisen auf die soziale Stellung der Männer, die in diesem prachtvollen Rahmen porträtiert wurden.
Die Szene findet auf einem der Balkons des Hôtel de Coislin statt, das noch heute an der Place de la Concorde steht. Jenseits der Brüstung sieht man Droschken und Spaziergänger auf dem Platz, während oberhalb der Bäume die Dächer des Industriepalasts auszumachen sind, der 1855 anlässlich der Weltausstellung errichtet wurde und heutzutage verschwunden ist.

Wie gewohnt greift Tissot auch hier auf verschiedene Register zurück, indem er mehrere künstlerische Referenzen vermischt. Er bleibt dem Stil Ingres‘ treu, steht den zukünftigen Impressionisten nahe und bricht mit der französischen Tradition, indem er dieses Gruppenbildnis in der Manier der britischen conversation pieces ins Freie verlegt.
Dieses Werk ist ein beredtes Zeugnis für Tissots Moderne, für die intellektuelle und gesellschaftliche Atmosphäre jener Epoche. Es brachte dem jungen Maler, der sich als einer der begabtesten Porträtmaler seiner Zeit erweisen wird, erste Anerkennung.

Les personnalités représentées dans le Cercle de la rue Royale de Tissot




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