Jean-François Millet
Der Frühling

Der Frühling
Jean-François Millet (1814-1875)
Der Frühling
1868-1873
Öl auf leinwand
H. 86; B. 111 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Le Printemps [Der Frühling]


Dieses Gemälde gehört zu einem Jahreszeitenzyklus, dem sich Millet während der letzten Jahre seines Lebens widmete. Das Ensemble wurde im März 1868 von Frédéric Hartmann, einem der Mäzene von Théodore Rousseau in Auftrag gegeben. Millet arbeitete bis zu seinem Tod immer wieder daran: Er vollendete Frühling im Mai 1873, Sommer und Herbst 1874, Winter blieb jedoch unvollendet. Der Frühling ist in erster Linie ein Landschaftsgemälde, Millet beschäftigt sich seit 1865 intensiver mit dieser Gattung. Der Mensch spielt dabei eine untergeordnete Rolle – unter dem Baum im Zentrum ist die Figur eines Bauers auszumachen –, das Gemälde ist Ausdruck einer Begegnung, eines stimmungsvollen, poetischen Dialogs zwischen dem Menschen und der Natur. Die Blümchen am Wegrand zeugen von der detailgetreuen Wiedergabe der Umgebung. Man spürt, dass diese Natur gehegt und gepflegt wird: es wurden Obstbäume angepflanzt, eine Straße angelegt, ein Zaun errichtet (zum Schutz vor der wilden Natur, die im Hintergrund sichtbar ist). Das Bild besitzt einen stark symbolhaften Charakter: gewitterschwangere Wolken, die violettbraune Färbung der Erde, die kahlen, abgeschnittenen Zweige der Bäume weisen darauf hin, dass der Winter zu Ende ist, während die blühenden Bäume und das helle Grün des Waldes das Frühlingserwachen symbolisieren.

Millets Interpretation dieses klassischen Themas, dem sich vor ihm schon Poussin widmete, besticht durch ihre ausdrucksstarke Darstellung der Natur. Mit dem einfachen Sujet, den stimmungsvollen Lichtverhältnissen knüpft Millet an die Landschaftsbilder seines Freundes Rousseau und die Werke von Constabel und Ruysdaël an. Doch die erstaunlich frischen Farben, und seine meisterhafte Wiedergabe eines flüchtigen Augenblicks stehen in der Tradition von Monet, Bazille oder Renoir, die damals, bevor der Begriff „Impressionismus” geprägt wurde, im Wald von Fontainebleau ihrer Kunst nachgingen.




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