Odilon Redon
Der Schlaf des Caliban

Der Schlaf des Caliban
Odilon Redon (1840-1916)
Der Schlaf des Caliban
Zwischen 1895 und 1900
Öl auf Holz
H. 48,3; B. 38,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Christian Jean

Sommeil de Caliban [Der Schlaf des Caliban]


Caliban, der widerspenstige, rebellische Sohn einer Hexe, ist der wilde, missgestaltete Sklave von Prospero, dem Herzog von Mailand, der auf eine einsame, unglückbringende Insel floh. Er ist eine der Figuren aus Shakespeares Theaterstück Der Sturm. Der deformierte Zwerg mit den großen Ohren ist am Fuße eines Baumes eingeschlafen. Sein erhobener Arm lehnt an dem dicken weißen Stamm. Drei kleine schwebende Gesichter beobachten ihn. Der größte Kopf ist von einem doppelten, grünen und gelben Nimbus umgeben, der zweite besitzt kleine Flügel und der dritte wird nur durch einen hellen Fleck dargestellt. Es handelt sich zweifellos um Ariel, den Luftgeist im Dienste Prosperos und seine Gehilfen, die Caliban überwachen.
Von dem kräftigen Blau des Himmels heben sich die flüchtig dargestellten Zweige und Blätter in Grün-, Violett- und Ockerschattierungen ab. Der Boden wird von zahllosen unwirklichen Blumen in Rot, Blau, Grün, Violett übersät, die dem Traum Calibans entsprungen scheinen.

Dieses außergewöhnliche Werk illustriert den Übergang Redons zur Farbe und die Übertragung der Themen seiner Kohlezeichnungen, seiner schwarzen Werke, auf die Leinwand. Seine Vorliebe für die fragmentierte Darstellung des menschlichen Körpers findet sich in den kleinen schwebenden Köpfen wieder. Der Künstler hatte dem Thema des Caliban schon drei Kohlezeichnungen gewidmet. Doch dieses Bild hier zeichnet sich durch die Poesie seiner geheimnisvoll anmutenden, leuchtenden Farben aus. Redon erfindet das Universum Shakespeares neu, er verleiht ihm eine traumhafte, imaginäre Dimension.

Redon-Dossier




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