Gustave Courbet
Der Ursprung der Welt

Der Ursprung der Welt
Gustave Courbet (1819-1877)
Der Ursprung der Welt
1866
Öl auf Leinwand
H. 46; B. 55 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

L'Origine du monde [Der Ursprung der Welt]


Der türkisch-ägyptische Diplomat Khalil-Bey (1831-1879) war der Auftraggeber und der Besitzer des Ursprungs der Welt. Er war eine herausragende Figur des Tout-Paris der Jahre 1860, wo er eine kurzlebige, glänzende Kunstsammlung anlegte, die fast ausschließlich dem weiblichen Körper gewidmet war. Spielschulden zwangen ihn zum Verkauf seiner Sammlung. Aus diesem Grund ist das Schicksal des Bildes ungewiss. Bis zu seinem Eingang ins Musée d’Orsay 1995, damals befand sich das Bild im Besitz des Psychanalytikers Jacques Lacan, war das von jeher berühmte Gemälde den Blicken der Öffentlichkeit praktisch nie enthüllt worden.

Courbet realisierte zahlreiche recht freie weibliche Akte. Die Anziehungskraft dieses Gemäldes indes liegt darin, dass er sich bei dem Ursprung der Welt eine bis dahin unerreichte Kühnheit und Offenheit erlaubt. Kein historischer oder literarischer Kunstgriff lenkt von der quasi anatomischen Darstellung des weiblichen Geschlechts ab. Courbets meisterhafter Kunst, seiner feinen bernsteinfarbenen Farbskala ist es zu verdanken, dass der Ursprung der Welt nichts von einem pornografischen Bild hat. Trotz seiner Direktheit und Kühnheit steht dieses Gemälde in der Tradition früher Maler: Der schwungvolle, sinnliche Pinselstrich und die Verwendung der Farbe erinnern an die venezianische Malerei, Courbet selbst beruft sich auf Tizian und Veronese, auf Correggio und auf die Tradition einer sinnlichen und gefühlvollen Malerei.

Dem nun unverhüllt präsentierten Ursprung der Welt wird der ihm gebührende Platz in der Geschichte der modernen Malerei zuteil. Es wirkt indes noch immer verwirrend auf den Betrachter.

Courbet-Dossier




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