Paul Gauguin
Die Alyscamps

Die Alyscamps
Paul Gauguin (1848-1903)
Die Alyscamps
1888
Öl auf Leinwand
H. 91,5; B. 72,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Les Alyscamps [Die Alyscamps]


Im Oktober 1888 folgt Gauguin der Einladung seines Freundes Vincent Van Gogh nach Arles, um dort mit ihm zu leben und zu arbeiten. Die beiden Künstler stehen schon seit einigen Monaten in regem Briefverkehr, sie vertrauen sich ihre jeweiligen Erkenntnisse bezüglich einer nicht-naturalistischen Sichtweise der Landschaft an.

Dieses Gemälde, das durch seine glänzenden Herbstfarben besticht, ist wahrscheinlich eines der ersten, das Gauguin von dieser Stadt angefertigt hat. Es zeigt die römische Nekropole von Arles, die im 3. Jahrhundert vom Heiligen Trophime, dem ersten Bischof von Arles, als Bestattungsplatz für Christen geweiht wurde. Im 19. Jahrhundert sind nur noch einige Zypressenalleen und leere Sarkophage übrig, die dem Ort ein äußerst melancholisches Aussehen verleihen.

Gauguin verzichtet fast völlig auf die Darstellung des historischen Motivs, nur im Hintergrund ist der Laternenturm und ein Teil der hier errichteten romanischen Kirche Saint Honorat zu sehen. Weit und breit kein Sarkophag, nur Felder, Wälder und ein Kanal, an dem drei Personen spazieren gehen: zwei Frauen in der Tracht von Arles und ein Mann. Gauguin, der den Frauen von Arles nicht viel Reiz abgewinnen konnte, nannte sein Bild ironisch Landschaft oder Drei Grazien am Venustempel als er es an Theo Van Gogh, sein Kunsthändler und Bruder von Vincent, sandte.

Die nebeneinander angeordneten Massen und die Schraffierungen sind bezeichnend für Gauguins Synthetismus. Diese Cézanne nachempfundene Technik macht es möglich, ein Motiv darzustellen, ohne die Wirklichkeit nachzuahmen. Auch die gesättigten Farben entsprechen einer subjektiven und dekorativen Interpretation der Landschaft. Diese Ansicht der Alyscamps bildet einen Kontrast zu Van Goghs bewegten Darstellungen des gleichen Motivs.




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