Thomas Couture
Die Dekadenz der Römer

Die Dekadenz der Römer
Thomas Couture (1815-1879)
Die Dekadenz der Römer
1847
Öl auf Leinwand
H. 472; B. 772 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Romains de la décadence [Die Dekadenz der Römer]


Thomas Couture brauchte drei Jahre, um Die Dekadenz der Römer, dessen Format von seiner künstlerischen Virtuosität zeugt, zu realisieren. Dieses Gemälde, das in der Tradition der alten griechischen Meister, der Renaissance und der flämischen Schule steht, sollte eine neue Blütezeit der französischen Malerei einleiten. Das Werk gehört zur Historienmalerei, die im 19. Jahrhundert als erhabenste Kunstgattung gilt: Sie diente der Darstellung menschlichen Handelns und die daraus resultierende moralische Botschaft. Couture selbst gibt hier die Erklärung, indem er in dem Katalog des Salons, auf dem das Gemälde 1847 ausgestellt wird, zwei Verse von Juvenal, einem lateinischen Dichter (um 55- um 140 N.C) zitiert: „Grausamer als der Krieg hat sich das Laster auf Rom gestürzt und rächt das besiegte Universum“.

In der Mitte des Bildes ist eine Gruppe von Figuren zu sehen, die ihrer Ausschweifungen überdrüssig erschöpft daliegen oder zum Teil noch trinken und tanzen. Drei Männer im Vordergrund nehmen nicht an diesen Bacchanalien teil: der links auf einer Säule sitzende melancholische Jüngling und die zwei fremden Besucher auf der rechten Seite, die die Szene missbilligend beobachten. Die antiken Statuen oberhalb der Szene scheinen die Orgie gleichfalls zu verurteilen.

Das Gemälde ist nicht nur Illustration eines alten Textes sondern auch eine Anspielung auf die derzeitige französische Gesellschaft. Als republikanischer, kirchenfeindlicher Jakobiner kritisiert er den moralischen Verfall der Julimonarchie Frankreichs, deren Machthaber aufgrund verschiedener Skandale in Misskredit geraten waren. Die Kunstkritiker sahen 1847 in den Römern dieser „realistischen Allegorie“ „die Dekadenz der Franzosen“.




Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Einem Freund schicken Drucken
Facebook
Google+DailymotionYouTubeTwitter