Luc-Olivier Merson
Die Familie

Die Familie
Luc-Olivier Merson (1846-1920)
Die Familie
1901
Öl auf Leinwand auf Gips aufgezogen
H. 222; B. 295 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski


Die Wahrheit
Das Schicksal

La Famille [Die Familie]


1900 wird der Architekt Georges Chedanne (1861-1940) mit der Renovierung des Stadthauses der Familie Watel-Dehaynin in der Rue de la Faisanderie im 16. Arrondissement in Paris beauftragt. Die Ausschmückung der Ehrentreppe wird dem Maler und Dekorateur Merson übergeben, der sich mit seinen groβangelegten Arbeiten in der neuen Opéra-comique (1888), der Festtreppe des Hôtel de ville von Paris (1887) oder dem Büro des Rektors der neuen Sorbonne (1898) einen Namen gemacht hat.

Als das Stadthaus 1974 abgerissen wird, werden drei Gemälde von Merson abgenommen. Sie gehören heute alle zu den Sammlungen des Musée d'Orsay: Die WahrheitDas Schicksal und Die Familie. Eine vierte Tafel: Die Hoffnung ist verloren gegangen.

Die Szene zeigt eine Terrasse vor einer bewaldeten Landschaft. Ein Mann kehrt von der Wildschweinjagd zu seiner Frau und seinen Kindern zurück. Die Haltungen der einzelnen Figuren sind Ausdruck vollkommenen Familienglücks.
Die rechte Bildseite hat eher symbolischen Charakter. Sie wird von der allegorischen Figur der Tugend beherrscht, die einen Lorbeerkranz hält. Daneben sitzen ein alter Mann und eine alte Frau, die die junge Familie wohlwollend betrachten. Adolphe Giraldon schreibt in seiner Künstlerbiografie (1929) von „der geglückten Mischung von Archäologie und Beobachtungsgabe, Konvention und Natur”. Die Familie erinnert an ein idyllisches Mittelalter, - fernab von der Industriegesellschaft -, das im 19. Jahrhundert sehr beliebt war und das die Werte der Bourgeoisie widerspiegelte.

Das Bild, das sich durch seine Weite und Helligkeit, die stufenförmig angelegte Landschaft im Hintergrund auszeichnet, erinnert an die Werke von Puvis de Chavannes (1824-1898). Mersons Stil unterscheidet sich indes von Letzterem durch die Bedeutung, die er der Zeichnung und dem Detail beimisst. Diese Eigenschaften sind kennzeichnend für seine Arbeit als Illustrator von historischen Werken.




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