Edouard Vuillard
Die Kapelle, Schloss von Versailles

Die Kapelle des Schlosses von Versailles
Edouard Vuillard (1868-1940)
Die Kapelle des Schlosses von Versailles
Zwischen 1917 und 1929
Tempera auf Papier auf Leinwand
H. 96; B. 66 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La chapelle du château de Versailles [Die Kapelle des Schlosses von Versailles]


Dieses heitere und friedliche Gemälde ist seltsamerweise zur Zeit des Ersten Weltkriegs entstanden. Mitten in dieser Umbruchstimmung begeistert sich Vuillard für den Versailler Klassizismus und findet so ein Mittel, sich den widrigen Zeiten zu entziehen und seine Arbeit in die Kontinuität einer gewissen, typisch französischen Empfindsamkeit zu stellen. Auf diese Weise bekennt der Maler zugleich ein starkes Nationalgefühl, da 1871 im Versailler Schloss das Deutsche Reich ausgerufen worden war.

Das Bild zeigt ein von dem Förderverein der Kathedrale organisiertes Konzert mit den Werken von Du Mont, Lalande und Rameau, dem Vuillard im Juni 1917 beiwohnte. Vuillard geht es darum, die perfekte Osmose zwischen Musik und Architektur zu rühmen. Aus diesem Grund wird nichts dem Zufall überlassen und er zeichnet auf sein Programm die von der Tribüne aus sichtbaren Elemente des bildhauerischen und architektonischen Dekors insbesondere das Relief von Claude Poirier, Der Einzug Jesu von Jesus in den Tempel. Diese Verherrlichung kann eine weibliche Anwesenheit nicht entbehren. Sie wird durch die Rückenansicht einer jungen Frau verkörpert, deren eindrucksvolle rotgoldene Haarpracht auf ihrem blauen Kleid glänzt und auf diese Weise das ansonsten in malvengrau gehaltene Gemälde belebt. Rechts im Bild erinnert das andere Blau einer Infanterieuniform an den Preis dieses seltenen harmonischen Augenblicks in einer zerbrochenen Welt.




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